Live hören
Jetzt läuft: Chirpy chirpy cheep cheep von Middle Of The Road

Kommentar: Braucht die Welt elektrische Tretroller?

Symbolbild: Person fährt E-Tretroller, im Hintergrund ein Auto

Kommentar: Braucht die Welt elektrische Tretroller?

Von Stephan Karkowsky

Der Bundesrat hat heute der Zulassung elektrisch angetriebener Tretroller zugestimmt, sogenannte City-Roller oder E-Scooter. Zuvor war darüber gestritten worden, ob Roller mit einer Höchstgeschwindigkeit bis zwölf km/h auf dem Gehweg fahren dürfen.

Kommentar: Braucht die Welt elektrische Tretroller?

WDR 4 Zur Sache 17.05.2019 02:11 Min. Verfügbar bis 16.05.2020 WDR 4

Download

Das einzige Argument für die rasche Zulassung von Elektro-Tretrollern begegnete mir heute Morgen im Fahrstuhl: Eine junge, sportliche Kollegin, die den Weg zur Arbeit offenbar als Training begreift. Entweder joggt sie oder sie stellt Geschwindigkeitsrekorde mit dem Rennrad auf. In jedem Fall kann man ihre Fitness deutlich mit der Nase wahrnehmen. Und nicht jeder Betrieb leistet sich Umkleideraum und Dusche.

Das erklärt auch, warum bevorzugt schicke Anzugträger aus den Chefetagen E-Roller nutzen. Wer den ganzen Tag dasselbe Hemd trägt, muss im Interesse der Kollegen körperliche Anstrengung vermeiden. Sonst aber gibt's für mich keinen vernünftigen Grund für E-Roller: Die Dinger sind allenfalls Spielzeuge, es braucht sie kein Mensch.

Überlegen Sie mal: Geworben wird mit mehr Mobilität auf den letzten Metern vom Bus nach Hause oder ins Büro. Damit wäre ein E-Roller vor allem was für Fußkranke. Denen aber dürfte so ein Ding zu schwer und zu wackelig sein. Wer an Gehbeschwerden leidet, will sich lieber hinsetzen.

Dazu der Sicherheitsaspekt! Den Gehwegen bleiben die E-Roller zwar erspart: Bewegen darf man sie nur auf dem Radweg oder dem Seitenstreifen. Was aber, wenn es beides nicht gibt? Dann ist auch die Straße erlaubt. Und das lautlos, weil elektrisch, und ohne Helmpflicht. Das ist schon mit dem Fahrrad lebensgefährlich.

Sind elektrische Tretroller wenigstens was für die Generation "Fridays for Future"? Glaub' ich nicht. Batterien herzustellen belastet die Umwelt, sie zu entsorgen noch mehr. Einkäufe transportieren kann man damit auch nicht. Für Getränkekisten braucht man weiter das Auto. Und als E-Scooter zum Leihen sind die Dinger für Städte die Pest. Schon jetzt stehen und liegen überall schlecht gepflegte Leihfahrräder herum. Wo will man da noch 40.000 E-Roller abstellen?

Eine angebliche Studie, wonach die Leihroller nur vier Wochen halten und dann auf dem Müll landen, wird von der Rollerfirma Bird dementiert. Nichts weiter als die Vermutung eines kritischen Newsletters. Aber dass man für 200 bis 500 Euro kaum nachhaltige Qualität produzieren kann, das kann sich jeder selbst ausrechnen.

Stand: 17.05.2019, 13:10