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Geflüchtetenhilfe

Kommentar: Ehren fürs Ehrenamt

Stand: 11.03.2022, 13:10 Uhr

Wir sprechen heute übers Ehrenamt. Der Ministerpräsident hat ja diese Woche Frauen und Männer aus NRW ausgezeichnet, die sich verdient gemacht haben, mit allem Möglichen. Ehrenamtlich Tätige sind oft mehr als nur eine Bereicherung im Sport oder in der Kultur, sagt Irene Geuer in ihrem Mittagskommentar. Sie sind manchmal der rettende Anker.

Von Irene Geuer

Kommentar: Ehren fürs Ehrenamt

WDR 4 Zur Sache 11.03.2022 01:42 Min. Verfügbar bis 11.03.2023 WDR 4 Von Irene Geuer


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Wer stand in der vergangenen Woche am Hauptbahnhof mit Brötchen, Klamotten und Spielzeug für Kinder? Die Ehrenamtlichen! Das hat mich gefreut und auch geärgert.

Geärgert, weil: Wo waren die städtischen Mitarbeitenden? Die Zuständigen? Vielleicht in einer Konferenz oder warteten sie noch auf eine Entscheidung irgendeiner Instanz? Es ist auch egal. Sie waren nicht da und zwar in mehreren Städten in Deutschland. Die Erstversorgung der Geflüchteten an Bahnhöfen hatten Menschen übernommen, die ihre Freizeit dafür hergeben. Klar, bekommen sie auch etwas dafür: Ein Lächeln, ein gutes Gefühl von Sinnhaftigkeit, Anerkennung. Sie bekommen in der Regel kein Geld, machen aber einen Job, der Geld wert ist.

Ehrenamt ist so viel Geld wert, wenn man das Engagement mal in Euro und Cent umrechnen mag, kommt man bestimmt auf eine sehr hohe Summe. Allein diejenigen z.B. die sich im Geschichtsverein um die Chronik ihrer Region kümmern, die der Zukunft Orientierung bieten, wie wir gelebt haben, ihre Akribie ist für mich unbezahlbar. Diejenigen, die in Pfarrbüchereien anderen Lust aufs Lesen machen, entlasten Schulen und Lehrer. Diejenigen, die sich um mittellose junge Mütter kümmern, sorgen mit dafür, dass ein Baby geborgen aufwachsen kann.

Ehrenamt kann helfen, seine eigene Karriere zu starten. Soziales Engagement macht sich im Lebenslauf gut, sorgt manchmal mit dafür, dass man ein Stipendium bekommt. Ehrenamt wird in der Wirtschaft positiv gesehen. Sie kennen vielleicht noch Oliver Hassenkamp, der Autor der Jugendbuchreihe "Burg Schreckenstein". Der hat mal gesagt: "Tun Sie gelegentlich etwas, womit Sie wenig oder gar nichts verdienen. Es zahlt sich aus." Das stimmt. Allerdings bin ich der festen Überzeugung, dass Pragmatismus dem Ehrenamt auf Dauer schadet. Diese Arbeit braucht Herz und Seele und Menschenliebe.