Kommentar: Das E-Bike braucht mehr Platz

Ausschnitt eines E-Bike-Fahrers bei voller Fahrt

Kommentar: Das E-Bike braucht mehr Platz

Von Ferdinand Quante

Der Mai wird bald kommen, die Räder fahren aus. Ja, auf unseren Straßen wimmelt es von Fahrrädern und wenn man man genauer hinschaut, sieht man: Da sind erstaunlich viele E-Biker unterwegs. Die Zahl der Elektrofahrräder steigt beständig, und überproportional steigt dabei die Zahl der Unfälle. Warum nur? Und was kann man dagegen tun?

Kommentar: Das E-Bike braucht mehr Platz

WDR 4 Zur Sache 25.04.2019 02:16 Min. WDR 4

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Die ersten Sekunden waren ja fast atemberaubend. Das Fahrrad schnellte voraus, kaum dass ich in die Pedale getreten hatte. "Geht ab wie Katze", dachte ich. Und viel war dann gar nicht mehr zu tun, um mit einer Geschwindigkeit dahinzugleiten, für die ich sonst richtig rackern muss. Verglichen mit meinem Normalfahrrad war dieses E-Bike praktisch ein fliegender Teppich, ein luftig-leichtes Erlebnis.

Und jetzt diese bleischwere Zahl: 20 Tote bei E-Bike-Unfällen im letzten Jahr, viele Verletzte, mehr als 2000 Crashs, das alles allein in Nordrhein-Westfalen. Auf meiner kurzen abendlichen E-Bike-Tour damals waren die Straßen leer, und die Radwege auch, zum Glück. Als echtes E-Bike-Greenhorn wäre ich unter den üblichen Großstadtbedingungen leicht in Schwierigkeiten geraten, wenn da nämlich Radfahrer in dichten Rudeln auf schmalen Wegen um ihre Plätze kämpfen, falschparkende Fahrzeuge zum Hindernis werden, so dass man ausweichen und in den schnell fließenden Autoverkehr einfädeln muss, und – Achtung – irgendwo kann immer eine Beifahrertür plötzlich auffliegen, und dann gute Nacht.

Für E-Bike-Fahrer werden Fahrsicherheitstrainings angeboten. Wie man die flotten Räder optimal handhabt, was man im Alltagsverkehr tun und was man unbedingt lassen sollte: Das von Anfang an zu wissen, kann nur gut sein. Aber besser wäre, endlich für Platz zu sorgen. Für breite Radfahrwege in den Städten, breite Radfahrwege auch neben Landstraßen, damit Autos nicht mehr dicht an einem vorbeizischen.

Manchmal, wenn ich ein betagtes Ehepaar auf seinen E-Bikes sehe, denke ich, dass sie das normale beschwerliche Radfahren wohl schon längst drangegeben hatten und mit den Elektrorädern einen Neustart gewagt haben. Das ist ja das Schöne am E-Bike: Man kann mühelos durch die Welt gondeln. Und statt jetzt die Umweltvorzüge des Fahrrads zu preisen, seine so menschenfreundliche Art der Fortbewegung, will ich hier lieber noch mal neue Radwege fordern, viele und breite. Sie wären für uns Radfahrer ein Vergnügen und ein prima Unfallschutz.

Stand: 25.04.2019, 00:00