Soldaten bei einer Bestattung

Kommentar: Was drei Monate ausmachen

Stand: 24.05.2022, 13:10 Uhr

Der Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine, heute vor drei Monaten. Das ist schon jetzt ein historisches Datum, eine Zeitenwende, wie es später einmal in den Geschichtsbüchern stehen wird. Vieles hat sich in dieser eigentlich kurzen Zeit rasant verändert. Das meiste davon zum Negativen. Aber manches ist dann doch erstaunlich oder sogar positiv – wie Jörg Brunsmann in seinem Kommentar findet.

Von Jörg Brunsmann

Kommentar: Was drei Monate ausmachen

WDR 4 Zur Sache 24.05.2022 01:52 Min. Verfügbar bis 24.05.2023 WDR 4 Von Jörg Brunsmann


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Der 24. Februar – ist das wirklich erst drei Monate her? Mir kommt es viel länger vor. Wieviel doch in dieser Zeit passiert ist! Die schlimmen Dinge. Ein Krieg in Europa? Das war bis dahin undenkbar. Dann die Berichte über die Brutalität, mit der die russischen Soldaten vorgehen. Eine Gewalt, die alles Menschliche, jede Rücksicht aufeinander einfach wegbombt. Und ein russischer Staatspräsident, dem man sowas nicht zutrauen wollte – und dem wir spätestens jetzt keinen Meter mehr über den Weg trauen.

Dann aber auch die erstaunlichen Dinge. Ich bin in den 1980er Jahren aufgewachsen mit der festen Überzeugung: In Sachen Militär sind die Russen – damals noch die Sowjetunion – nicht zu schlagen. Es war ja zu Beginn dieses Krieges noch so, dass viele gedacht haben, die Ukraine werde innerhalb weniger Tage überrannt. Heute wissen wir: Mehr als drittklassig kann man die russische Armee nicht nennen. Wenn sie keine Atomwaffen hätte, niemand hätte noch Respekt vor ihnen. Erstaunlich auch, wieviel Mut und Widerstandskraft die Ukrainer bewiesen haben – und was vor allem ihr Präsident leistet. Viele haben Selenskyj bis zum Kriegsbeginn noch für einen Comedian gehalten, der sich verlaufen hat – weil er als Schauspieler und Komiker in der Ukraine bekannt wurde. Heute ist er einer der einflussreichsten Politiker der Welt.

Und dann gibt es da noch die komplett positiven Dinge. Das, was mir Hoffnung macht. Wie sehr wir in Europa zusammengerückt sind, um Putin nicht zum Ziel kommen zu lassen. Wie sehr wir auch bereit sind, für unsere Freiheit einzustehen. Und wie sehr unser Kontinent gerade für Menschlichkeit, Demokratie und Meinungsfreiheit einsteht – Werte, die Putin mit Füßen tritt.

Wir wissen: Auch die nächsten Monate werden hart, Putin scheint zu allem fähig. Was wir aber auch wissen: Wenn wir zusammenhalten und gemeinsam für unsere Ziele kämpfen, dann können wir mehr erreichen als Russlands Präsident mit seinem Hass und seiner Gewalt.