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Kommentar: Diesel und Pippi Langstrumpf

Schild Diesel-Fahrverbot fuer Kfz

Kommentar: Diesel und Pippi Langstrumpf

Von Jörg Brunsmann

Für die Besitzer von älteren Diesel-Autos ist es eine gute Nachricht. Sie müssen wohl nicht mehr damit rechnen, aus den Innenstädten verbannt zu werden. Grund dafür ist ein Kniff der Bundesregierung. Die hat sich in Brüssel, bei der EU grünes Licht geben lassen, dass man bei den Luft-Grenzwerten mit größeren Toleranzen arbeiten darf. Am eigentlichen Grenzwert wird zwar nicht gerüttelt, wird dieser aber leicht überschritten – was im Moment an vielen Stellen in NRW der Fall ist - dann soll das trotzdem kein Grund für Fahrverbote sein.

Kommentar: Diesel und Pippi Langstrumpf

WDR 4 Zur Sache 14.02.2019 02:00 Min. WDR 4

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Ich muss hier mal ein Geständnis machen: Ich bin ein kleines Umweltschwein. Jedenfalls fühle ich mich so. Als unsere alte Familienkutsche letzes Jahr den Geist aufgegeben hat, habe ich einen Euro-5-Diesel gekauft.

Weil er billig war. Weil er trotz des schlechten Diesel-Rufs gut fährt. Und weil ich nie ernsthaft damit gerechnet habe, dass tatsächlich die komplette Kölner Innenstadt oder die A40 bei Essen für das Auto gesperrt werden.

Da müsste ich mich jetzt doch eigentlich als Gewinner fühlen, oder? Die Rechnung scheint jedenfalls aufzugehen. Im Hinterkopf aber regt sich das schlechte Öko-Gewissen. Kann es richtig sein, was die Politik da macht? Wenn man sieht, dass viele es nicht schaffen, über eine Hürde zu springen, macht man dann einfach diese Hürde niedriger?

Normalerweise nicht, oder? Ich habe die Diskussion über den Grenzwert ja auch mitverfolgt, ich weiß, dass viele denken, dieser Wert sei mehr oder weniger aus der Luft gegriffen – und es gab ja auch neulich sogar den Brief der Lungenärzte, die sagen: Dieser Grenzwert, die 40 Milligramm, sind absurd niedrig angesetzt.

Aber darum geht es den Politikern gar nicht. Und das ist es, was ich komisch finde. Denn man könnte es ja auch anders machen: Neue wissenschaftliche Erkentnisse, da müssen wir jetzt noch mal drüber nachdenken und das Gesetz anpassen.

Aber nein, am Grenzwert selbst wird ja überhaupt nicht gerüttelt – man nimmt sich einfach nur einen größeren Spielraum heraus, wo es dann ernst wird und Fahrverbote verhängt werden. Für mich ist das Politik á la Pippi Langstrumpf. Motto: "Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt."

Meine Hoffnung: Trotz der Entwarnung für Diesel-Fahrer gibt es jetzt nicht das Gefühl: "Wir können uns zurücklehnen, alles in Ordnung". Besser wäre es, wenn das Ganze eine Art Atmepause wird. Es wäre – auch für die Umwelt – Quatsch gewesen, fünf oder sechs Jahre alte Autos zu verschrotten oder in andere Länder abzuschieben, nur damit in meiner Straße die Luft ein bisschen sauberer wird.

Aber natürlich wird auch mein Euro-5-Diesel irgendwann ein Fall für den Schrottplatz. Bis dahin ist noch ein bisschen Zeit – und dann gibt es hoffentlich Autos, die nicht nur umweltfreundlich, sondern auch bezahlbar sind. Und da bin ich dann gerne mit dabei.

Stand: 14.02.2019, 13:10