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Coronavirus

Die "seit Corona-Ersten Male"

Stand: 20.04.2022, 13:10 Uhr

Es ist schon toll, so viele machen Pläne, was sie dieses Jahr wieder machen wollen. Vieles ist ja wieder möglich, auch wenn uns Corona noch nicht verlassen hat. Wir haben heute schon drüber gesprochen. Und vieles fühlt sich ganz besonders an, weil es uns ganz besonders gefehlt hat. Gut zu wissen, was wichtig ist, sagt Irene Geuer.

Von Irene Geuer

Kommentar: Die "seit Corona-Ersten Male"

WDR 4 Zur Sache 20.04.2022 01:52 Min. Verfügbar bis 20.04.2023 WDR 4 Von Irene Geuer


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Freundin Britta macht sich Sorgen, weil sie es im Hals hat. Vielleicht doch Omicron? Aber nein. "Warst Du nicht im Konzert?" "Aber ja", sagt sie. "Und was hast Du da gemacht?" "Geschrien", lacht sie. Ja, geschrien, wie beim ersten Mal. Und sie erzählt mir den ganzen Konzertablauf zum x-ten Mal. Dieses Jahr stehen bei ihr noch drei weitere Konzerte auf dem Programm, sie wird wohl aus dem Erzählen nicht mehr raus kommen. Das sind die corona-verschobenen Gigs, die jetzt nachgeholt werden.

Dass ihr Konzerte so viel bedeuten, war mir früher nie richtig klar. Da gehörte das sozusagen zum Alltag. "Ich geh morgen ins Konzert". Sie freute sich, keine Frage, aber es war nicht so wie jetzt, nach den Jahren, da es ihr so gefehlt hat, dieses Live, dieses Singen, Tanzen mit denen, die ihre Lieblingsmusik komponiert haben. Zusammen mit Musik. Ich habe Bekannte, die jetzt wieder ihre Choraktivitäten aufleben lassen. Die brauchen keine Sonne um rote, fröhliche Wangen zu haben. Da reicht die Vorfreude auf Donnerstag 19 Uhr im Pfarrheim zum Einsingen.

Ich bin da noch nicht so weit. Freundin Britta und ich gehen deshalb bei Konzerten getrennte Wege. Jetzt in der Pandemie, die noch nicht zu Ende ist, bleibe ich immer noch vielem fern. Die Vorsicht hat bei mir die Oberhand und ich lasse sie gewähren.

Und doch gibt es genug, was möglich ist: Einen Elektroladen aufzusuchen, ohne Termin, ohne Gedöns, zwar mit Maske, versteht sich, aber ganz spontan, weil ganz spontan unser Herd den Geist aufgegeben hat. Ich kann mich noch an das Drama erinnern, als im Volllockdown Januar 2021 der Kühlschrank nicht mehr kühlte. Schrecklich. Und jetzt sorgt das Einkaufen wie früher bei mir zwar nicht für ekstatisches Geschrei, aber für Glücksgefühle. Wie auch einfach mal wieder ins Kino zu gehen. Einfach mal so – wunderbar.