Kommentar: Die Glitzerwelt der Autoraser

Unfall auf Autobahn A 66

Kommentar: Die Glitzerwelt der Autoraser

Von Stephan Karkowsky

Am Samstag ist auf der hessischen Autobahn eine Frau vermutlich bei einem illegalen Autorennen totgefahren worden. Gegen die drei mutmaßlichen Raser ist Haftbefehl ergangen wegen versuchten Mordes. Stephan Karkowsky versucht sich hineinzudenken in die Welt dieser Menschen. Einer ist noch auf der Flucht.

Kommentar: Die Glitzerwelt der Autoraser

WDR 4 Zur Sache 13.10.2020 02:04 Min. Verfügbar bis 13.10.2021 WDR 4

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Gesucht wird Ramsy Azakir (34), ein Mann ohne festen Wohnsitz. Auf den Fahndungsfotos zu sehen mit protziger Golduhr und teurer Sonnenbrille. Auf seinem Facebook-Profil zeigt er sich inmitten schneller Sportwagen und als Fan von Dubai Motors, einem der bekanntesten Autohändler der arabischen Welt. Azakir war unterwegs in einem Lamborghini mit 740 PS. Neupreis knapp 330.000 Euro. Ohne Extras.

Den ließ er in Hofheim stehen, nicht weit von der Firma eines Mannes mit gleichem Nachnamen, über die im Handelsregister steht, man betreibe den An- und Verkauf sowie die Vermietung von Fahrzeugen. Zufall, möglicherweise. Azakirs Lambo hat ein Kennzeichen aus Dubai. Auch Kennzeichen kann man bei Dubai Motors kaufen. Sprösslinge der Öl-Clans rasen damit gern über deutsche Autobahnen.

Das passt auch zum zweiten bekannten Raser: Der über seinen Lamborghini die Kontrolle verloren und vermutlich eine 71-Jährige Frau in einem Skoda totgefahren hat. Vermutlich, weil die Leiche bislang nicht identifiziert werden konnte. Beide Autos sind völlig ausgebrannt. Der Lambofahrer aber hat leicht verletzt überlebt. Auf Instagram nennt er sich Navid Alpha und posiert vorzugsweise mit schnellen Autos, Sonnenbrille - und Kampfhund.

Die BILD-Zeitung nennt Navid Alpha vorschnell einen Instagramstar. Weil er dort 1,1 Millionen Follower hat. Die allerdings hat der 29-Jährige höchstwahr-scheinlich gekauft. Dafür spricht die geringe Zahl an Kommentaren. Eine Million Follower auf Insta kaufen kostet bei entsprechenden Webseiten keine 4.000 Euro, machen einen aber umgehend zum Star in einer oberflächlichen Glitzerwelt, in der Follower die neue Währung sind und die Leistung des Motors eine eigene Lebensleistung ersetzt.

Peanuts für einen Mann mit Erfolg, als der sich Navid Alpha inszeniert. Als Beruf gibt er CEO und Founder an: Gründer und Geschäftsführer. Nun ist er wegen Mordes angeklagt. Ich wünsche allen dreien die höchstmögliche Strafe.

Stand: 13.10.2020, 13:10