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Kommentar: Die Bahn verpasst ihre Chance

Deutschen Bahn-Anzeige: "Zug fällt aus"

Kommentar: Die Bahn verpasst ihre Chance

Von Katja Schwiglewski

Eigentlich spricht in Zeiten von Abgas-Skandal, Fahrverboten und Dauerstaus viel für die Bahn. Warum wechseln Autofahrer trotzdem nur selten von der Straße auf die Schiene? Für Verkehrswissenschaftler Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen ist das kein Wunder. Er kritisiert die Unpünktlichkeit, den mangelnden Komfort und die hohen Preise bei der Bahn.

Kommentar: Die Bahn verpasst ihre Chance

WDR 4 Zur Sache | 27.12.2018 | 01:58 Min.

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Autoprofessor Dudenhöffer fährt im Moment gezwungenermaßen mit der Bahn zur Arbeit, er wartet auf seinen neuen Wagen. Eine Reporterin und ein Fotograf von der WAZ durften Dudenhöffer begleiten und haben seinen Frust dokumentiert. Das Fazit: Er würde lieber im Stau stehen.

Ich muss sagen, dieses Gefühl kenne ich gut. Noch jedes Mal, wenn mich mein schlechtes Gewissen dazu getrieben hat, das Auto stehen zu lassen und mit der Bahn in die Stadt zu fahren, bin ich bestraft worden. Praktisch nie ist ein Zug pünktlich, oft gibt es Zugausfälle. Dann füllen sich die Bahnsteige und gemeinsames Frieren ist angesagt.

Wenn doch endlich eine Bahn kommt, ist die so voll wie ein Sonderzug zum Fußballstadion. Der Gedanke an einen Sitzplatz hat sich erledigt, bevor sich die Türen öffnen. In meinem eigenen Auto kriege ich immer einen Sitzplatz und es ist sauber und warm. Da fühle ich mich ehrlich gesagt wohler als in der Bahn.

Ich weiß auch, dass ich in absehbarer Zeit ankommen werde, denn die üblichen Staus kann ich einplanen. Die Unzuverlässigkeit der Bahn aber ist unkalkulierbar. Das ist doch traurig, oder? Aus Umweltschutzgründen finde ich Bahnfahren prinzipiell viel sinnvoller, aber es funktioniert einfach zu schlecht.

Die Krönung des Ganzen sind die gesalzenen Ticketpreise. Ich kann noch nicht einmal sparen, wenn ich mir diesen ganzen Stress antue! Die Bahn ist einfach viel zu teuer. Deshalb frage ich mich, warum der ÖPNV und der Fernverkehr auf der Schiene in Deutschland nicht konsequent attraktiver gemacht werden können. Die Ruhrbahn in Essen hat vorgemacht, wie das geht, mit Einsteiger-Prämien für Neukunden und verbilligten Tickets. Solche Aktionen müssten bundesweit Schule machen. Die Probleme mit den Dieselfahrzeugen und der drohende Verkehrsinfarkt in den Ballungszentren sind doch Steilvorlagen.

Aber ich bin pessimistisch. Und froh, dass ich mein Auto behalten habe. Hatte kurz überlegt, es zu verkaufen. Geht nicht. Leider.

Stand: 27.12.2018, 13:10