Kommentar: So gut – Der Blick zurück

So gut – Der Blick zurück

Kommentar: So gut – Der Blick zurück

Von Irene Geuer

Der Lockdown soll also heute verlängert werden. Das besprechen gerade Kanzlerin und Ministerpräsidenten. Und es soll noch mehr kommen. Stichwort Schule. Die wird nicht, wie es mal geplant war, so ohne weiteres am Montag an den Start gehen. Ja, viele stöhnen. Schon wieder. Keine Frage, das ist anstrengend. Aber Irene Geuer meint, wir sollen wirklich die Füße stillhalten. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, Konsequenz wird belohnt.

Kommentar: So gut – Der Blick zurück

WDR 4 Zur Sache 05.01.2021 01:54 Min. Verfügbar bis 05.01.2022 WDR 4


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Ich liebe ja den Blick in die Geschichte. Da findet man tolle Sachen, z.B. dass das Rad längst erfunden ist. Viele Politiker tun ja so, als müssten sie es täglich neu erfinden. Völlig unnötig. Übersetzt auf die Corona-Pandemie heißt das: Wir müssen nicht wochenlang diskutieren, wie streng jetzt genau ein Lockdown sein muss, oder wie light. Die Vergangenheit hat längst die Geschichte und die Fakten dazu.

Springen wir mal kurz in die USA ins Jahr 1918. Die Spanische Grippe tobt. Hochansteckend. In Boston und Philadelphia finden trotzdem große Militärparaden statt. Von Seuchenschutz keine Rede. Die Menschen sterben daraufhin wie die Fliegen. Die Leichenhallen übervoll. Nicht so in St. Louis. Dort gab es Einschränkungen und Quarantäne. Bibliotheken, Schulen, Kinos geschlossen. Die Sterberate in St. Louis weit unter der anderer Städte. Studien noch aus dem Jahr 2007 zeigen, dass überall dort, wo in den USA Masken getragen wurde, weniger Menschen erkrankten.

Alte Fotos zeigen, wie damals bereits für das Lüften geworben wurde. "Keep your bedroomwindows open". Lassen Sie die Schlafzimmerfenster geöffnet, stand auf Plakaten zu lesen. Oder: Tragen Sie Maske! Werbefotos mit Selbstgenähtem im Gesicht. Oder Hinweise: Gehen Sie möglichst zu Fuß zur Arbeit. Nehmen Sie nicht Ihre Finger in den Mund! Als ich diese Fotos gesehen habe, da dachte ich: Wahnsinn. Alles, was wir gerade durchmachen, ist schon erlebt worden. Der Schriftsteller Kurt Tucholsky hat Recht: Es gibt keinen Neuschnee.

Das bedeutet auch: Die Welt geht nicht unter, wenn wir uns noch ein paar Wochen oder Monate einschränken. Es werden mehr Menschen überleben. Das hat die Geschichte gezeigt. Eine gute Nachricht, die uns aus der Vergangenheit zugerufen wird. Und ich hoffe, dass auch wir der Zukunft unsere Erkenntnisse über die Pandemie weiterleiten. Wäre doch schön, wenn die Menschen später mit unserer Hilfe ihre Probleme besser in den Griff bekommen, oder?!

Stand: 05.01.2021, 13:10