Kommentar: Wie weit darf Datenschutz gehen?

Klingelschilder mit den Namen Daten und Schutz

Kommentar: Wie weit darf Datenschutz gehen?

Von Stephan Karkowsky

Erneut macht die DSGVO, die neue Datenschutzgrundverordnung der EU, Negativschlagzeilen. Diesmal lesen wir von der Kundin einer Metzgerei in Oberbayern, die sich fürchterlich beschwert hat bei ihrer Fachverkäuferin: Weil diese sie öffentlich im Laden mit Namen begrüßt hat! Das sei doch jetzt verboten … Wirklich? Stephan Karkowsky klärt uns auf über die Mythen rund um ein Gesetz, das es eigentlich gut mit uns meint …

Kommentar: Wie weit darf Datenschutz gehen?

WDR 4 Zur Sache 13.12.2018 02:05 Min. Verfügbar bis 13.12.2019 WDR 4

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Die sogenannten sozialen Medien sind nicht unbedingt Bildungsanstalten, da sage ich Ihnen nichts Neues. In Facebook und Co darf jeder zu allem eine Meinung haben, ohne eine Ahnung haben zu müssen.

Der Treibstoff der wütenden Kommentare, Tweets und Posts ist die Empörung. Verurteilt wird die Datenschutzgrundverordnung DSGVO von den Empörten wahlweise als "Wahnsinn", "Bürokratiemonster" oder "Chaosverordnung". Und je lauter einer schimpft, desto weniger hat er in der Regel begriffen.

Umso leichter haben es Falschmeldungen über angebliche Folgen des neuen Datenschutzes, weil man sich so wunderbar darüber aufregen kann. Und mal ehrlich: Am liebsten erzählen wir uns doch alle Geschichten, über die jeder den Kopf schüttelt, oder? Nur leider haben all diese Geschichten nichts mit der DSGVO zu tun, sondern nur mit dem Unwissen darüber.

Ein paar davon haben Sie bestimmt schon gehört: Etwa, dass bald keine Namen mehr an Klingelschildern stehen dürfen, weil das gegen den Datenschutz verstößt. Kompletter Quatsch. Oder: Dass Ärzte Sie im Wartezimmer nicht mehr mit Namen aufrufen dürfen. Quatsch. Und dass sich nun eine Kundin angeblich (!) bei einer Fleischereiverkäuferin beschwert haben soll, weil die sie freundlich mit Namen begrüßt hat … ich bitte Sie!

Wenn meine Frau mir mal wieder sowas vorliest und mich zu einem Zeichen der solidarischen Empörung auffordert, sage ich in der Regel: Das muss ich erstmal recherchieren. Die Berufskrankheit des Journalisten. Was im Fall der Datenschutzgrundverordnung DSGVO gar nicht so einfach ist: Man kann die 90 Seiten zwar jederzeit online nachlesen. Leicht verständlich aber ist das, wie alle juristisch formulierten Texte, nicht.

Eins aber hab ich ganz sicher verstanden: Die Verordnung soll Sie und mich schützen vor den großen Datenhaien. Vor Google und Amazon, vor WhatsApp und Facebook. Privatmenschen wie Sie und ich stehen gar nicht im Fokus. Sollte die Metzgerei-Kundin also klagen wollen, würden die Richter sie vermutlich auslachen. Mein Rat: Weniger Empörung, mehr Information und einfach mal öfter sagen: Glaub‘ ich nicht. Wo hast Du das denn her? Das muss ich mich erstmal schlau machen.

Stand: 13.12.2018, 00:00