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Kommentar: Vertrauen zählt

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU,r), spricht bei einer Pressekonferenz vor Journalisten die im Sicherheitsabstand zueinander sitzen mit den Ministerpräsidenten der Länder über weitere Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus

Kommentar: Vertrauen zählt

Von Jörg Brunsmann

Jetzt also steht fest, was bei uns in Nordrhein-Westfalen schon länger beschlossene Sache war: Ganz Deutschland läuft bis zum 19. April im "Corona-Modus". Mehr als zwei Wochen noch, in denen wir Abstand halten und uns nur eingeschränkt draußen bewegen können. Eine von den Ministerpräsidenten und der Kanzlerin gemeinsam getroffene Entscheidung, die aber auch anderswo kaum auf Kritik stößt. Jörg Brunsmann findet: Wir sehen gerade, dass viele Menschen wieder mehr Vertrauen in Politik und Staat setzen.

Kommentar: Vertrauen zählt

WDR 4 Zur Sache 02.04.2020 01:54 Min. Verfügbar bis 02.04.2021 WDR 4

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Geht Ihnen das auch so? Mein Eindruck ist, das Gemeckere über unsere Politiker ist weniger geworden. Klar, es hat auch was damit zu tun, dass es praktisch keine öffentlichen Veranstaltungen mehr gibt. Sowas wie ein politischer Aschermittwoch, bei dem die Politiker selbst auf ihre jeweiligen Gegner draufhauen – im Moment völlig undenkbar. Aber das ist es nicht alleine. Alle, die sonst immer direkt um die Ecke kommen nach dem Motto: "man sollte, man könnte und warum machen die das nicht" schweigen fast ohne Ausnahme.

Weil man erkennen muss: Das, was Bundeskanzlerin Merkel schon öfters bemüht hat, daß sie sagt, diese oder jene Entscheidung sei "alternativlos" – diesmal stimmt es. Und zwar so offensichtlich, dass sie es nicht einmal erwähnen muss. Es gibt keine Alternative zum "Abstand halten", keine andere Möglichkeit als den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Tiefschlaf, den wir gerade erleben, um Menschenleben zu retten.

Und gleichzeitig sind die Entscheidungen, die die Politik da getroffen hat, eigentlich schon unmenschlich hart – weil sie so tief in das Leben von uns allen eingreifen. Ich möchte mit den Politikerinnen und Politikern gerade nicht tauschen. Weder mit Kanzlerin Merkel noch mit der Bürgermeisterin oder dem Bürgermeister in der kleinen Gemeinde. Umso wichtiger finde ich es, diese Menschen mit Vertrauen zu unterstützen. Natürlich, es sind alles Menschen und die machen nun einmal Fehler. Auch jetzt, in der Krise. Aber mein Eindruck ist: Kaum jemand versucht, die Krise für die persönliche Karriere zu nutzen oder um die Macht der eigenen Partei auszubauen. Statt dessen gibt es viele Entscheidungen, die mir zeigen, dass man in Not geratenen Menschen wirklich helfen will. In der Politik, aber auch in den Behörden. Wie schnell zum Beispiel die Hilfen für Selbstständige und kleine Unternehmen auf den Weg gebracht und bearbeitet werden, das ist schon bemerkenswert. Und auch das verdient unseren Applaus – und unser Vertrauen. Denn ohne Vertrauen zueinander und im Umgang miteinander werden wir es durch diese Krise nicht schaffen.

Stand: 02.04.2020, 13:10