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Kommentar: Urlaub – Wir entscheiden selbst

Coronakrise: leere Sonnenliegen am menschenleeren Playa Levante Strand

Kommentar: Urlaub – Wir entscheiden selbst

Von Irene Geuer

Heute lachen uns von vielen Zeitungsständern die Bilder idyllischer Strände und von blauem Meer an, weil Auslandsreisen ja im Sommer wieder möglich sein sollen. Unser Außenminister hat sich mit ausländischen Kollegen darauf geeinigt, dass die Grenzen vor allem zu den beliebten Urlaubsländern wie Spanien, Griechenland oder auch der Schweiz mit Beginn der Sommerferien Ende Juni spätestens wieder öffnen. Ja, und dann? Dann, sagt Irene Geuer in ihrem Kommentar, liegt es an uns. Wir müssen entscheiden.

Kommentar: Urlaub - Wir entscheiden selbst

WDR 4 Zur Sache 19.05.2020 01:55 Min. Verfügbar bis 19.05.2021 WDR 4

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Das Meinungsbild in meinem Freundeskreis ist ganz eindeutig uneindeutig. Wieder nach Mallorca fliegen oder Ibiza oder auf die Kanaren? Bis vor kurzem mussten wir über diese Frage nicht nachdenken. "Bleiben Sie zu Hause, ich tue es auch", hat Angela Merkel gesagt. Reisewarnungen wurden ausgesprochen und die Grenzen für Touristen geschlossen. Jetzt wird alles anders. Wir können demnächst wieder. Reisehinweise sollen uns helfen, aber entscheiden müssen wir selbst. Das ist ein großes Stück der alten Freiheit, das wir zurückbekommen haben. Wir sind wieder Gebieter über unsere Freizeit.

Für meine Nachbarn steht fest: Sie fliegen. Hauptsache Strand. Weil durch die Coronakrise, durch viel weniger Verkehr und Industrie, die Luft am Meer noch mal reiner und schöner sein wird, als in den Jahren zuvor. Die Strände sind nicht durch Frühjahrsurlauber abgenutzt, und sie werden sicher leerer sein, weil Massentourismus derzeit keiner will. Alles wird schön geputzt und gestrichen sein, die Hotelangestellten werden sich freuen, dass Gäste kommen und sie nicht arbeitslos werden.

Ja, sagen die Freunde Hans und Elfi. Und dann bist Du da, willst einen Kaffee in einer netten Bar trinken und musst Dich erst mal anmelden. Restaurant, anmelden. Museum, anmelden. Vielleicht wird es auch Strandzeiten geben, damit nicht alle gleichzeitig da sind. Orgakram, den die beiden nicht auch noch im Urlaub haben wollen. Und ihre Negativliste gipfelt in der Vorstellung, am letzten Tag im Hotel bricht Corona aus und du sitzt zwei Wochen in Quarantäne fest. Die Bilder von denen, die ihr Zimmer nicht verlassen durften, haben sich eingebrannt. Die Erholung wäre dahin, die Nerven lägen blank und das für das ganze Geld. Man möge glauben, die beiden haben mit dem Thema Urlaub abgeschlossen. Aber nein. Auch sie haben Fernweh und quälen sich mit ihren Argumenten dagegen, mit ihren Ängsten, aber auch mit ihren Wünschen herum.

Es ist nicht einfach. Keiner da, der uns sagt, was wohl die bessere Entscheidung wäre. Aber so ist das mit der Freiheit. Sie verlangt die Kraft, auch mit falschen Entscheidungen leben zu können.

Stand: 18.05.2020, 13:10