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Rhein Energie Stadion ohne Zuschauer

Kommentar: Nicht mehr verständlich – Corona und Fußball

Stand: 26.01.2022, 13:10 Uhr

Vorerst keine Lockerungen bei den Corona-Auflagen, so haben es Bund und Länder Anfang der Woche verabredet. Trotzdem hat Bayern gestern das Ende der Geisterspiele in der Fußball-Bundesliga beschlossen. Jetzt denken Borussia Dortmund und der 1. FC Köln darüber nach, ob sie mit rechtlichen Schritten gegen die Zuschauer-Regelung in Nordrhein-Westfalen vorgehen sollen.

Von Katja Schwiglewski

Kommentar: Nicht mehr verständlich – Corona und Fußball

WDR 4 Zur Sache 26.01.2022 02:05 Min. Verfügbar bis 26.01.2023 WDR 4 Von Katja Schwiglewski


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Bayern München spielt vor vollbesetzten Rängen, während BVB und FC gegen die gähnende Leere im eigenen Stadion ankämpfen? Wie dreist, wie ungerecht. Ganz so ist es nicht, auch in der Allianz Arena sind keine zügellosen Fußballfeste geplant. Bis zu 10.000 Zuschauer hat Bayern für Sportevents zugelassen, maximal 25 Prozent der Kapazitäten. Die Fans müssen geimpft oder genesen und zusätzlich getestet oder geboostert sein, jeder muss eine FFP2-Maske tragen, dazu ein Alkoholverbot.

Klingt in meinen Ohren ganz vernünftig. Warum beim 1. FC Köln statt 50.000 Zuschauer aktuell nur 750 ins Rheinenergie Stadion dürfen, erscheint nicht nachvollziehbar. Und ich kann BVB-Chef Watzke verstehen, wenn er klagt, es sei bitter, dass die Politik nach zwei Jahren Pandemie vor allem an Verbote denke und nicht auch "an ein Mindestmaß an Möglichkeiten und logischen Entscheidungen".

Damit berührt der Fußball-Manager zwei entscheidende Punkte in der Diskussion um das leidige Corona-Thema: Wo bleibt die Konsequenz? Und wo sind die Perspektiven? Man kann nicht willkürlich in einem Bereich des öffentlichen Lebens die Zügel fest anziehen und in anderen Bereichen schleifen lassen. Mit einem klugen Einlass- und Sitzplatzkonzept unter Beachtung der 2G+-Regel erscheint es machbar, die Fans wieder ins Stadion zu lassen.

Wir sprechen hier nicht von Luxusproblemen in dieser Pandemie. Der Verlust von Lebensfreude durch unverständliche Einschränkungen nagt an unserer Gesellschaft. Der Eindruck, immer wieder planlos ausgebremst zu werden, heute so und morgen anders, lässt Menschen zweifeln an den Führungskompetenzen des politischen Personals. Auf Sicht zu fahren, war sinnvoll am Anfang der Pandemie.

Heute brauchen wir ein gut durchdachtes und gut koordiniertes Gesamtkonzept mit Blick auf die Rückkehr zur Normalität.