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Kommentar: In der Schule, auf dem Platz: Kein Zurück zur Normalität

Eine Erstklässlerin trägt ihre Schultüte und Maske

Kommentar: In der Schule, auf dem Platz: Kein Zurück zur Normalität

Von Katja Schwiglewski

Ob in der Bundesliga oder im Bildungssystem – überall herrscht Sehnsucht nach Normalität. Und so steht die Deutsche Fußball Liga vor der Frage, unter welchen Bedingungen Fans wieder in die Stadien dürfen, und die Schulministerien legen die Regeln fest für den Start nach den Sommerferien. Aber einen "Regelbetrieb" wie vor Corona kann es da und dort noch nicht geben. Leider. Katja Schwiglewski kommentiert.

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WDR 4 Zur Sache 04.08.2020 02:03 Min. Verfügbar bis 04.08.2021 WDR 4


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Natürlich wäre es schön, wenn die Fans auf den Rängen ihrer Mannschaft wieder zujubeln, wenn sie mit Inbrunst die Hymne ihres Vereins schmettern und jedes Foul, jeden genialen Pass lauthals kommentieren würden. Blutleere Geisterspiele sind Murks. Aber von einer Rückkehr zu alten Zeiten sind wir meilenweit entfernt. Alles, was diskutiert wird, um Zuschauer in der neuen Bundesliga-Saison zurück in die Stadien zu holen, sind Krücken, Behelfskonstruktionen mit Risiken und Nebenwirkungen. Das Feeling kann nicht das gleiche sein, mit Abstandsregeln und ausgedünnten Reihen, und das Risiko der Ansteckung dürfte trotzdem bleiben.

Die Fußballfans tun mir leid, aber noch viel mehr die Schülerinnen und Schüler, die das letzte Halbjahr verloren haben und auch im nächsten Schuljahr nicht die Bildung bekommen werden, die ihnen zusteht. Ich halte es für Augenwischerei, wenn der Eindruck erweckt wird, als sei ein Regelbetrieb auch nur annährend möglich. Da mag man alle Beteiligten zur unvermeidlichen Maske verdonnern, es bleiben an der Basis, in der Praxis so viele Schwierigkeiten, mit denen die Schulen konfrontiert sind. Die einen haben ein überaltertes Kollegium mit vielen Risikokandidaten, die anderen bauliche Gegebenheiten, die eine Trennung und Kanalisierung von Gruppen schwer möglich machen. Mancherorts kann man aus Sicherheitsgründen noch nicht einmal richtig die Fenster aufmachen.

Also doch wieder Homeschooling oder ein Mix aus Präsenz- und Fernunterricht? Wie ansteckend Kinder und Jugendliche sind, darüber gibt es widersprüchliche Studien. Aber egal wie, die Infektionszahlen steigen und die Dunkelziffer dürfte hoch sein. Gleichzeitig können Arztpraxen und Gesundheitsämter nicht 83 Millionen Menschen in Deutschland mal so eben testen. Am Ende müssen wir uns wohl oder übel damit abfinden, dass 2020 ein Jahr der Entbehrungen und Einschränkungen sein wird. Es ist ein riesengroßer Eiertanz um dieses schwer einzuschätzende Virus, in allen Lebensbereichen.

Stand: 04.08.2020, 13:10