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Kommentar: Bleiben wir ihnen vom Leib!

Tierärztin mit Maske

Kommentar: Bleiben wir ihnen vom Leib!

Von Irene Geuer

Heute ist der Tag, an dem wir denen eine Stimme geben, die nicht im Homeoffice sitzen, sondern an der Theke, im Lager, zwischen Regalen oder am Behandlungstisch arbeiten. Die sich also nicht mit ihren eigenen vier Wänden schützen können, sondern in der Öffentlichkeit ihre Arbeit oder ihren Dienst tun. Das ist nicht einfach, mit der Maske im Dauereinsatz. Deshalb braucht es mehr Respekt und vor allem mehr Abstand, sagt Irene Geuer in ihrem Kommentar.

Kommentar: Bleiben wir ihnen vom Leib!

WDR 4 Zur Sache 14.04.2021 01:40 Min. Verfügbar bis 14.04.2022 WDR 4


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"Ich bin am Ende", ist ganz oft die Antwort von Freundin Britta auf ein "Wie geht es Dir?". Britta ist Tierarzthelferin und deshalb so oft am Ende, weil der Zweibeiner neben dem Tier Sperenzchen macht. "Kommen Sie bitte allein mit ihrem Hund", ist die Ansage. Was macht Zweibeiner? Er bringt sein Rudel mit. Obwohl Hasso ganz gut alleine mit Britta und dem Doc klar kommt, braucht Mensch den Beistand. Also kehrt Britta täglich coronabedingt unnötige Familienmitglieder aus dem Wartezimmer, was definitiv zu klein für Abstandsregeln ist. Dann wartet das Rudel im Hausflur der Praxis. Wieder muss sie erklären, dass auch das nicht geht und redet sich den Mund fusselig.

"Ziehen Sie bitte die Maske richtig auf", wie oft hat sie das sagen müssen in den vergangenen Monaten. Sie kann es selbst nicht mehr hören. Sie ist es leid. Sie trägt den meisten Teil des Tages ihre Maske. Seit Neuestem freut sie sich auf Laborarbeit, da ist sie allein und kann die Maske mal für ein paar Minuten an den Kittel hängen. "Ich bin ja lieber mit den Tieren zusammen als mit deren Blut, aber das Labor hat im Moment Erholungswert."

Ist sie wütend? Nein. "Ich weiß", sagt Tierarzthelferin Britta, "die machen das nicht aus bösem Willen". Die sind so beschäftigt mit sich und ihrem Tier, dass sie nichts mitbekommen. Und sie versucht es weiter mit Geduld. Das fällt ihr von Tag zu Tag schwerer. Und das sorgt dafür, dass sie an ihre Grenzen kommt. Denn nach der Arbeit wartet eine Familie auf sie, zwei Kinder im Homeschooling, die ihre Unterstützung, ihren Rat und ihre Aufmunterung brauchen.

Britta ist ein Beispiel von vielen – von zu vielen. Seit über einem Jahr haben wir die Pandemie und immer noch leiden Menschen, die hart arbeiten, an der Rücksichts- und Gedankenlosigkeit anderer. Da muss dringend nachgebessert werden. Dafür wird es wirklich Zeit.

Stand: 14.04.2021, 13:10