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Kommentar: Die Corona-Nachrichtenwalze

Zeitungskiosk mit Corona-Schlagzeilen

Kommentar: Die Corona-Nachrichtenwalze

Von Ferdinand Quante

Die zweite Corona-Welle rollt auf uns zu, viele Fachleute sagen, sie sei schon da. Mit ihr schwellen auch die Corona-Nachrichten wieder an. Im Sommer ist es ja vergleichsweise ruhig gewesen. Die Infektionszahlen waren zurückgegangen, Corona spielte in den Nachrichtensendungen nicht mehr die Hauptrolle. Das hat sich inzwischen geändert. Das Virus beherrscht die Medien, und wer ausgiebig Zeitung liest, Radio hört oder vor dem Fernseher sitzt, dem kann das alles auch schnell zu viel werden.

Kommentar: Die Corona-Nachrichtenwalze

WDR 4 Zur Sache 20.10.2020 02:12 Min. Verfügbar bis 20.10.2021 WDR 4


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Corona-Viren machen krank, die vielen Corona-Nachrichten aber auch. Kam mir jedenfalls neulich so vor, als ich wieder einmal einen ganzen Tag lang Pandemie-Nachrichten aufgesaugt hatte. Die Infektionszahlen, die Sterberaten, die Risikogebiete, die Corona-Einschränkungen und -Regeln, die düsteren Prognosen.

Stundenlang rollte eine schwarze Nachrichtenlawine durch die Wohnung und wurde größer und größer, weil ich nicht nur Zeitung las, Radio hörte und am Fernsehbildschirm hing, sondern auch noch im Internet nach neuesten Corona-Meldungen stöberte. Warum, weiß ich nicht, aber es war jedenfalls zu viel des Schlechten. Die Pandemie wurde zum reinen Schreckgespenst, und am Ende war sie mir ziemlich egal. Die Walze aus Zahlen, Regeln und Warnungen hatte mich plattgemacht.

Man muss nicht Psychologe sein, um sich ein noch schlechteres Endergebnis vorzustellen. Dass nämlich neben der Abstumpfung die Unwilligkeit aufkommt, die Corona-Regeln weiterhin zu befolgen. Gleichgültigkeit als Dauerzustand.

Ich will hier jetzt nicht dazu aufrufen, keine Corona-Berichte mehr zu lesen, das Radio abzustellen und solche Sachen. Ich frage mich nur, wie viel Information gut und hilfreich ist und ab wann mir das Hirn schwurbelt. Wobei Hirnschwurbeleien ja auch deshalb auftreten, weil die Nachrichten sich ständig wiederholen. So viele echte Corona-Neuigkeiten gibt es über den Tag ja gar nicht. Das Wieder und Wieder und Wieder des Immergleichen ist es, was einen ganz schön zermürben kann.

Gut fände ich deshalb eine Corona-App, die mich kurz und bündig über das Wichtigste informiert. Ins Suchfeld der App gebe ich den Namen einer Stadt oder Gemeinde ein und kriege dann Informationen über die Zahl der Infizierten, Risikogebiet ja oder nein, welche Regeln und Beschränkungen es dort gibt, ein paar medzinische Ratschläge vielleicht noch, fertig.

Auf dem Corona-Flickenteppich, der ja nun mal im Land liegt, könnte ich mir so gezielt Übersicht verschaffen. Und wahrscheinlich würde ich’s mir dann auch ersparen, täglich zig Corona-Nachrichten zu konsumieren.

Stand: 20.10.2020, 13:10