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Kommentar: Corona – Auf jeden Einzelnen kommt es an

Pfeile auf dem Boden weisen bei einer Treppe die Laufrichtung

Kommentar: Corona – Auf jeden Einzelnen kommt es an

Von Stephan Karkowsky

Am späten Abend haben sich Bund und Länder auf eine Verschärfung der Corona-Maßnahmen geeinigt. Künftig gelten bei privaten und öffentlichen Treffen in den Hotspots strengere Obergrenzen. Schon ab 35 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner kann eine verschärfte Maskenpflicht in Kraft treten. Außerdem wurde heute ein neuer Höchststand an Corona-Infektionen bekannt. Auch Stephan Karkowsky macht sich Sorgen.

Corona – Auf jeden Einzelnen kommt es an

WDR 4 Zur Sache 08.10.2020 02:00 Min. Verfügbar bis 15.10.2021 WDR 4 Von Stephan Karkowsky


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6.638 bestätigte Neuinfektionen an einem Tag – soviele gabs in Deutschland noch nie! Auch die Zahl der Corona-Toten steigt weiter an. Und Sie wissen ja, was die Virologen sagen: Diese Zahlen sind bereits eine Woche alt. Solange dauert es von der Ansteckung bis zur Registrierung bei den Gesundheitsämtern. Das Virus schläft nicht.

Die Politik aber auch nicht: Acht lange Stunden saßen Bund und Länder gestern zusammen, um am Ende wenig zu verschärfen. Zu wenig, wie ich finde. Auch die Kanzlerin wirkte nicht zufrieden, wie denn auch: Sie kann den Länderchefs nichts vorschreiben. Was die Bundesregierung mit den Ländern gemeinsam beschließt, können die Bundesländer umsetzen – sie müssen es aber nicht.

Und so kann auch ich Ihnen nicht sagen, was künftig an Ihrem Wohnort gilt. Die Beschlüsse der Bund-Länder-Runde lauten: Private Feiern streng begrenzen, Sperrstunden ab 23 Uhr, in Hotspots nur noch höchstens zehn Personen gemeinsam im öffentlichen Raum. Ob die Landesregierung das aber umsetzen wird, muss man sehen.

Das missglückte Beherbergungsverbot etwa gilt theoretisch bundesweit, wird bei uns in NRW aber nicht angewandt. Nun kann man sich aufregen und lustig machen über die Kleinstaaterei. Wie Sascha Lobo auf Spiegel Online, der schreibt: "Maskenpflicht herrscht nur an geraden Tagen in Straßen mit mehr als neun Buchstaben wochentags zwischen 5.45 Uhr und 22.08 Uhr."

Man kann die Sache aber auch ernst nehmen, ganz unabhängig von den gerade geltenden Obergrenzen, und sich mal umschauen in Europa: In Tschechien gilt bereits der Notstand, ab Samstag auch in Frankreich mit Ausgangssperren in vielen Städten. In den Niederlanden werden die Intensivbetten knapp: Das gilt es bei uns zu vermeiden.

Indem einfach jeder von uns seine persönliche Verantwortung wieder stärker wahrnimmt: Weniger Menschen trifft, auf Reisen und Feiern verzichtet und die Hygienemaßnahmen ernst nimmt. Nicht die Politik allein hat die Macht, einen harten Corona-Winter zu verhindern. Aber jeder einzelne von uns.

Stand: 15.10.2020, 13:10