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Kommentar: Strafe für Maskenmuffel

Eine Frau steht mit Mund- und Nasenschutz bedeckt in einer S-Bahn

Kommentar: Strafe für Maskenmuffel

Von Irene Geuer

Das ist ein stolzer Preis: 150 Euro Strafe für alle, die in S-Bahnen, Bussen oder in Straßenbahnen keinen Mund-Nase-Schutz tragen. Das plant NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst, hat uns das Ministerium heute bestätigt. Im Moment ist es ja noch so, dass Bußgelder nur erhoben werden, wenn Fahrgäste sich trotz Aufforderung weigern, die Maske aufzusetzen. Demnächst also soll es schnell gehen – allerdings dürfen weiterhin nur Polizei und Ordnungsamt die Strafe verhängen, nicht die Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe. Ist das sinnvoll?

Kommentar: Strafe für Maskenmuffel

WDR 4 Zur Sache 05.08.2020 01:55 Min. Verfügbar bis 05.08.2021 WDR 4 Von Irene Geuer

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Ich gestehe: Ich war im Supermarkt, in Eile reingerannt, weil schon spät dran. Und plötzlich beschleicht mich – gerade als ich nach dem Käse greife – ein seltsames Gefühl. Da fehlt doch was. Ich drehe mich um und die Augen eines älteren Herrn schauten mich vielsagend an. Der Rest seines Gesichtes … und da fiel es mir auf – die Maske. Ich hatte die Maske vergessen. Also wieder zum Auto, es war mir peinlich. Wie konnte mir so was Blödes passieren. Aber klar, in Gedanken, gehetzt, dem Alltagsstress verfallen, da haben wir die neue Corona-Welt nicht mehr parat und alte Verhaltensmuster brechen sich Bahn. Als ich das im Freundeskreis erzähle, gibt es von fast allen eine ähnliche Geschichte. In die Tankstelle gerannt ohne Maske, im Restaurant auf Toilette gegangen ohne Maske. Also kurzum, es passiert.

Ich weiß nicht, ob wir, hätten wir im Bus ohne Maske gesessen, bereits ein Fall für das neue Bußgeld wären. Das wäre natürlich bitter, aber auch konsequent und bei vielen auch notwendig. Denn leider ist es ja so, dass es nicht nur die reumütigen Vergesslichen gibt, sondern in größerer Zahl diejenigen, die die Maske aus individuellen Gründen ablehnen und damit die Gemeinschaft gefährden. Die Egos, die z. B. auch versuchen, beim Hausarzt ein Attest zu bekommen, weil ihnen die Maske auf die Nerven geht. Da sind 150 Euro dringend angebracht, finde ich. Wenn die Schulministerin in NRW Kinder bestrafen will, wenn sie in der Klasse keine Maske tragen, dann soll das für Bus- und Bahnfahrer auch gelten. Und ich kann mich noch an die Kontaktverbote erinnern: 200 Euro, wenn sich mehr als zwei Leute draußen aufhalten, Frühjahr 2020. Das hat bei vielen Eindruck gemacht.

Was mich aber stört ist, wie das Ganze ablaufen soll. Nicht die Kontrolleure sollen das Bußgeld verhängen, sondern Ordnungsamt oder Polizei. Wie soll das gehen? Die Kontrolleure halten den Erwischten fest, bis einer kommt, der ihm das Geld abknöpft? Oder soll es dann was Schriftliches geben? Wenn es gut durchdacht sein soll, dann muss vielleicht darüber noch mal nachgedacht werden. Denn nichts ist schlimmer als eine Strafe, die nur angedroht, aber nicht vernünftig angewendet werden kann. Man nennt das ja auch zahnlosen Tiger. Und davon haben wir doch eigentlich genug.

Stand: 05.08.2020, 13:10