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Kommentar: Maskenhafter Einfallsreichtum

Frau mit selbstgenähtem Mundschutz

Kommentar: Maskenhafter Einfallsreichtum

Von Irene Geuer

Merken Sie es auch? Immer mehr Menschen binden sich was um. Mund und Nase verschwinden immer öfter hinter Stoff. Und damit tun viele etwas freiwillig, was unsere Bundesregierung auch noch gar nicht verordnet haben will. Denn würde sie den Mundschutz verordnen, müsste sie ihn vorrätig haben. Dass das nicht so ist, wissen wir ja nun alle. Also wird immer häufiger freiwillig gebastelt und freiwillig ist immer gut, sagt Irene Geuer. Das sorgt für Abwechslung, Ablenkung und für kreative Schübe in den Bastelecken.

Kommentar: Maskenhafter Einfallsreichtum

WDR 4 Zur Sache 01.04.2020 01:52 Min. Verfügbar bis 01.04.2021 WDR 4

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Maskenhafter Einfallsreichtum in Deutschland, traumhaft. Das Vermummungsverbot wird unwirksam. Tausende Menschen, meist Frauen, haben aus dem Keller die alte Nähmaschine raufgeholt. Und da steht sie jetzt, auf dem Küchentisch. Die Anleitung aus dem Internet ist ausgedruckt und, ach ja, was es noch braucht, ist Stoff. Da kann man alles nehmen, was große Hitze beim Waschen aushält. Deshalb ja auch die vielen Feinripp-Unterhosen, die sich derzeit in kleinen Demovideos als Mundschutzalternative verbreiten. Für die braucht man keine Nähmaschine, sondern nur genügend Mut beim Tragen.

Eine Freundin hat in den Tiefen ihres Wäscheschrankes etwas ganz Wunderbares gefunden, das schon musealen Wert hat. Stofftaschentücher aus ihrer Kindheit mit Blümchenmotiven und kleinen Randstickereien. Die haben wir früher benutzt, bis sie durchnässt waren. In meiner Schulzeit gab es zwar schon Papiertaschentücher, aber eigentlich kauften die eher die Gutbetuchten oder die sich dafür hielten. Die können sich jetzt mit der Küchenrolle einen Mundschutz basteln. Oder sie nehmen Geschirrtücher, geht auch, dachte ich, bis ich die rötlichen Verfärbungen entdeckte, Tomatensoße, nicht rausgegangen beim Waschen. Wenn Du Dir das umbindest, sieht das so aus, als blutest Du aus dem Mund. Meine Tochter, immer ehrlich. Danke.

Eine andere Freundin hat den Blaumann ihres Gatten zerschnitten. Der ist eh in Kurzarbeit. Und eine Nachbarin hat die alte Bettwäsche ihrer Kinder vernäht. Die Familie geht jetzt mit Sonne, Mond und Sternen vor dem Mund spazieren.

Und es ist nicht so, als hätten diese Mundschütze keine Wirkung. Alle Virologen sagen, dass auch selbstgebastelte Teile die Spucke davon abhalten, undiszipliniert durch die Luft zu fliegen. Man muss die Masken nur richtig behandeln, nach dem Tragen nicht drauffassen, weil da tatsächlich was drauf sein könnte, und nach dem Tragen wirklich heiß waschen. Und: Sie ersetzen keine Abstandsregel. Leider. Aber: Deutschland wird bunter, das gefällt mir. Wenn wir demnächst draußen sind, haben wir was zu gucken. Ich bin gespannt.

Stand: 01.04.2020, 13:10