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Kommentar: Geimpfte haben schon das größte Glück!

Eine Coronaimpfung wird verabreicht

Kommentar: Geimpfte haben schon das größte Glück!

Von Irene Geuer

NRW macht sich locker – zumindest für die Geimpften. Die dürfen nun ohne Test zum Friseur und auch in den Laden, um sich mal endlich in Ruhe neue Schuhe zu kaufen. Die Bundesregierung will in dieser Woche klären, was man den Geimpften an Coronaregeln ersparen kann. Es wird überlegt, ob z.B. die Ausgangs- oder Kontaktsperre bei vollständig Geimpften wegfallen soll. Irene Geuer sagt: Vorsicht! Damit wird das Leben schwieriger.

Kommentar: Geimpfte haben das größte Glück

WDR 4 Zur Sache 03.05.2021 01:40 Min. Verfügbar bis 03.05.2022 WDR 4 Von Irene Geuer


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Bevor die Bundesregierung neue Regeln vorlegt, können wir ja schon mal ins rheinische Grundgesetz schauen. In den Zusatzartikeln dieser lebenserfahrenen Schrift steht: Man muss auch gönnen können. Dieser Artikel sollte tatsächlich bei den Geimpften angewendet werden. Die haben immerhin zwei tiefe Eingriffe in ihren Körper erdulden müssen – mit spitzen Nadeln wurde der Oberarm traktiert. Da braucht es eine Belohnung. Und weil die Geimpften ältere Erwachsene sind, reicht nicht die Gummibärchentüte, die andere beim Impfen vom Kinderarzt bekommen. Also sollen sie Einkaufen gehen oder den Friseur ohne Test aufsuchen. Da können die 80 Prozent der nicht Geimpften gut mit umgehen.

Schwieriger wird es, wenn die Geimpften keine Ausgangssperre mehr einhalten müssen. Denn der Freundeskreis erlebt dann ohne weiteres Zutun eine Spaltung in Geimpfte und nicht Geimpfte. Die einen können abends spazieren gehen, die anderen müssen zuhause bleiben. Geimpfte sollen von der Kontaktsperre befreit werden, also bleiben sie bei Treffen mit Freunden unter sich, für Ungeimpfte gilt weiter: Wir müssen draußen bleiben. Das ist tatsächlich ein bisschen wie bei den Hunden vor der Metzgerei. Sie schauen durchs Fenster und sehen El Dorado, während die drinnen sich die dicke Wurst einpacken lassen.

Artikel 1 des rheinischen Grundgesetzes sagt: Et is wie et is. Also: Man muss den Tatsachen ins Auge sehen. Solange nur wenige geimpft sind, wird das Leben nicht unbedingt einfacher. Erst recht nicht, wenn man den Ungeimpften allein das Gönnenkönnen abverlangt. Die haben sich ohne Murren der Impfreihenfolge gefügt, stehen hinten an und hoffen auf das, was die Geimpften vielleicht gar nicht mehr richtig schätzen, weil Shoppen, Friseur und Abendspaziergang so begehrenswert geworden sind. Geimpfte haben die Aussicht, wegen Corona sehr wahrscheinlich nicht mehr im Krankenhaus zu landen. Das größte Glück in dieser Pandemie ist es, keine Angst mehr haben zu müssen. Da muss man erst mal hinkommen.

Stand: 03.05.2021, 12:49