Live hören
Jetzt läuft: I am what I am von Gloria Gaynor

Kommentar: Das große Ausprobieren

Close-up of hands holding dough, Brot backen, Hände halten Teig

Kommentar: Das große Ausprobieren

Von Gabi Kraiczek

Nicht mehr morgens im überfüllten Bus zur Arbeit hetzen, im Supermarkt gibt’s Abstandskontrollen, die Enkelkinder nur noch über Videotelefonate sehen, die Freunde nicht mehr umarmen dürfen … unser oft schönes, komfortables Leben wurde mal eben von Corona gesprengt. Die Rituale gibt’s nicht mehr und wir müssen uns viel Neues einfallen lassen.

Kommentar: Das große Ausprobieren

WDR 4 Zur Sache 24.03.2020 01:54 Min. Verfügbar bis 24.03.2021 WDR 4

Download

Corona!!! Du Blödmann, du Biest !!! Komm mir bloß nicht zwischen die Finger!!!

Das denke ich mehrfach täglich, wenn mal wieder alles anders ist und ich mich nicht mal eben im Restaurant verabreden oder eine Einkaufstour planen kann. Dann beginnt wieder das große Ausprobieren – also, das was wir gerade alle machen. Neugier, Weltoffenheit und Entdeckergeist sind unsere alltäglichen Freunde geworden. Und wir lernen viele neue, meist digitale Kulturtechniken:

Yogalehrerin Desiree stellt ihre ersten Clips zum Nachturnen in die WhatsApp Gruppe. So klappt’s auch bei mir wieder mit dem Durchatmen. Freundin Steffi hat ein Online-Fitness-Studio gebucht und trainiert ihre Ausdauer jetzt zur Freude der unter ihr wohnenden Mieter mit Seilchen-Springen.

Vati kann jetzt Videotelefonate; schön wird’s, wenn er das mit der Kameradrehung hinkriegt und man nicht nur die Füße auf dem Wohnzimmertisch sieht, sondern den prächtigen Senior in seiner ganzen Fülle auf dem Sofa.

Ja, und auch die guten, alten Kulturtechniken werden wieder ausprobiert. Es wird gekocht und gebacken, als gäb’s kein Morgen mehr.

Wenn ich mir allerdings die leer gefegten Mehlregale anschaue, bezweifel ich, dass die Versuche geklappt haben und vermute das Gegenteil, denn beim Bäcker ist es weiterhin voll.

Dank geschlossener Friseursalons werden wir bald auch in diesem Bereich viel Ausprobiertes sehen. Liebe Friseurinnen und Friseure, bleibt gelassen … wir kommen alle wieder. Während ich in den Morgenstunden darüber grübele, wurde ich von den frühen Vögeln gestört. Sie lärmen wie jedes Frühjahr rum, bisschen leiser vielleicht, da es weniger Konkurrenz von den Autos gibt. Die Themen wie jedes Jahr gleich: Finde dich klasse, sollen wir zusammen Nest bauen? Ach nee, vielleicht doch, hast du denn alle Zweige auf'em Zaun – kurzum, die Triebe blühen und es geht um Lebenserhalt, Nachwuchs – also das vielzitierte Eine. Ach guck mal, dachte ich, auch da Ausprobieren, einfach mal ausprobieren.

Stand: 24.03.2020, 13:10