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Kommentar: Wir müssen uns Corona aus dem Kopf schlagen

Stand: 18.01.2022, 13:10 Uhr

Auch wenn sich die fünfte Coronawelle gerade erst so richtig aufbaut, ein Ende der Pandemie scheint in Sicht. Deutschlands Chefvirologe Christian Drosten glaubt, die Lage werde sich zum Jahresende hin spürbar verbessern. Fragt sich nur, ob wir dann auch bereit sind, zur Normalität zurückzukehren.

Von Ferdinand Quante

Kommentar: Wir müssen uns Corona aus dem Kopf schlagen

WDR 4 Zur Sache 18.01.2022 01:36 Min. Verfügbar bis 18.01.2023 WDR 4 Von Ferdinand Quante


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Wie normal wird’s denn wohl werden? Ich meine, können wir nach der Pandemie das so verdammt lange geübte Abstandhalten einfach sein lassen? Nehmen wir hautenges Gedränge im Supermarkt bald wieder ganz selbstverständlich hin? Ja, und kriegen wir dann überhaupt noch Gespräche auf die Reihe, wenn’s nicht mehr um Corona geht?

Wo es doch jetzt immer und überall das Ding ist. Ich quatsche über Handball, die gerade laufende Europameisterschaft, aber nicht über den Gegner von heute Abend, Polen, nein, wie viele deutsche Handballer aktuell Corona haben – vier, fünf, sieben, darum geht’s. Ich verabrede mich zum Doppelkopf und frage am Telefon, ob man nicht besser getestet zusammenkommt.

Ich treffe auf der Straße einen entfernten Bekannten. Kurzes Hallo, und damit kein peinliches Schweigen folgt, frage ich rasch, ob er gesund ist, die Familie wohlauf, jaja, Omikron, aber dauernd Mundschutz tragen, das ist schon lästig, und tschüss. Danke, Corona, für die Beihilfe zum Smalltalk! Wenn ein Gespräch ein bisschen durchhängt, kann man sich damit problemlos weiterhelfen. Corona geht immer, weil’s alle betrifft, genau wie das Wetter.

Nur ist mir das Wetter nicht eingefallen, als der entfernte Bekannte mir über den Weg lief, und das macht mir doch Sorge. Corona greift offenbar nicht nur die Lunge an, es befällt auch das Gehirn und besetzt alle grauen Zellen.

Tja, wir sehnen uns nach der guten alten Normalität, aber Corona aus dem Kopf zu kriegen – leicht wird das nicht.