Kommentar: Wird Corona unser Leben auf Dauer verändern?

Wird Corona unser Leben auf Dauer verändern?

Kommentar: Wird Corona unser Leben auf Dauer verändern?

Von Ferdinand Quante

Lockdown bis Mitte Februar und unter leicht verschärften Bedingungen. Wir müssen FFP2-Masken in der Öffentlichkeit tragen, Unternehmen werden auf Homeoffice-Angebote für ihre Beschäftigten verpflichtet, die Zahl der Fahrgäste im öffentlichen Nahverkehr wird eingeschränkt. Corona prägt unseren Alltag jetzt also noch ein bisschen stärker als zuvor. Da stellt sich schon die Frage, ob wir uns nach und nach an die Einschränkungen gewöhnen werden. Lassen wird die alte Normalität vielleicht für immer hinter uns?

Kommentar: Wird Corona unser Leben auf Dauer verändern?

WDR 4 Zur Sache 19.01.2021 01:56 Min. Verfügbar bis 19.01.2022 WDR 4


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Corona verändert die Welt. Nachhaltig. Angeblich werden wir nach der Pandemie unser altes Leben nicht wieder aufnehmen. Einige glauben das. Schluss mit Hetze und Massenveranstaltungen. Ein Zukunftsforscher sagt: Was erst als Verzicht empfunden wurde, wird am Ende zur Gewohnheit.

Nach Corona schränken wir uns also weiterhin ein? Freiwillig? Ich glaube nicht. Alle, die ich kenne, haben die Nase voll. Sie fügen sich dem Lockdown und beachten mehr oder weniger streng die zahlreichen Einschränkungen. Aber doch nur, um sich auf diese Weise so schnell wie möglich von den Fesseln der Pandemie zu befreien. Wir wollen, dass es vorbei ist. Und wenn der Tag kommt, werden die neuen Lebensregeln die alten sein.

Das Licht am Ende des Tunnels, von dem so viel geredet wird, dieses Licht leuchtet nicht aus einer neuen, von Corona veränderten Welt. Es ist das Licht der Normalität, die wir ein Leben lang hatten. Mit vollen Einkaufsstraßen und offenen Reisebüros. Nicht, dass ich mir die alten Verhältnisse komplett zurückwünsche. Superkonsum, Vielfliegerei, Touristenschwemmen rund um den Globus – alles keine symphatischen Sachen und nichts, was der Erde guttut, aber zurückkommen werden sie.

Maßhalten, Innehalten ist eben nur in einer Pandemie systemrelevant. Anschließend wird weitergemacht. Eine auf Wachstum angelegte Gesellschaft ist halt kein Meditationsverein. Und bezahlt werden müssen die coronabedingten Staatsschulden ja auch.

Nein, was wir jetzt als Verzicht empfinden, wird nachher bestimmt nicht zur Gewohnheit. Was wir momentan haben, ist eine Art Fastenzeit. Von gläubigen Christen wird die Fastenzeit ja auch nur begonnen, weil sie wissen, dass sie Ostern vorbei ist. Und dann gibt’s wieder Süßkram ohne Ende.

Stand: 19.01.2021, 13:10