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Kommentar: Das passende Bild zur Coronakrise

Eine Medizinstudentin zu sehen in einem Ambulanz-Container in Tübingen

Kommentar: Das passende Bild zur Coronakrise

Von Ferdinand Quante

Wir leben wie unter einer Käseglocke, die das Virus über uns gestülpt hat. Nicht nur, dass die Bewegungsfreiheit futsch ist – die Gedankenfreiheit leidet auch. Aber vielleicht reicht es ja noch, um sich auszumalen, welche Bilder von der Coronakrise einmal bleiben werden.

Kommentar: Das passende Bild zur Coronakrise

WDR 4 Zur Sache 26.03.2020 01:50 Min. Verfügbar bis 26.03.2021 WDR 4

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Das erste Sachbuch über die Coronakrise wird auf dem Cover eine Rolle Klopapier zeigen. Scherzte ein Freund am Telefon. Ein Hamster wäre allerdings auch ganz passend, noch besser aber ein kaputtes Hamsterrad. Aus dem Hochgeschwindigkeitsalltag sind wir ja erst mal raus, die meisten von uns.

Dafür jedoch gefangen in der Coronawelt. Versuchen Sie mal, auch nur fünf Minuten mit jemandem zu reden, ohne dabei das Virus und seine Folgen zu erwähnen. Es wird nicht gelingen. Und weil wir auf Corona starren wie das Kaninchen auf die Schlange, ist die weite Welt ziemlich eng geworden.

Wie es den Geflüchteten an der türkisch-griechischen Grenze geht, wer weiß das schon, wen interessiert es noch? Alle denken nur noch an das eine. Vor dem Virus sind wir halt alle gleich, könnte man meinen, aber es ist ein gewaltiger Unterschied, ob man sich zu zweit in einem großzügigen Haus mit Garten isoliert oder zu sechst in drei, vier Zimmern. Kitas sind geschlossen, Tafeln und Suppenküchen auch, Minijobber im Zwangsurlaub.

Falls die Krise für alle schlimm ist, ist sie für manche schlimmer, und da jetzt die milliardenschweren Rettungsringe für Unternehmen und Selbständige ausgeworfen werden – wo bleibt die Soforthilfe für die, die sich schon in normalen Zeiten kaum über Wasser halten können?

Ein Coronasachbuch, das auf seinem Cover einen Bettler mit leerem Becher zeigt, muss es hoffentlich nicht geben. Und was heißt Sachbuch? Ein Roman, eine Geschichte ginge ja auch, ein Abenteuerbuch vielleicht: Das Fähnlein der Aufrechten im Kampf gegen die Coronakrake. Und auf dem Umschlag sehen wir, nein, keine Virologenmannschaft. Die passenden Coverboys und -girls finden sich derzeit in jedem Krankenhaus.

Stand: 26.03.2020, 13:10