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Kommentar: Hat Corona auch sein Gutes?

Café draußen auf dem Alten Markt in Dortmund

Kommentar: Hat Corona auch sein Gutes?

Von Ferdinand Quante

Man merkt jetzt, dass viele Sachen, die für uns verwöhnte Wohlstandsdeutsche so selbstverständlich waren, auf einmal nicht mehr funktionieren. Leere Regale im Supermarkt, kein Kino, kein Essengehen, kein Friseur. Alles ist anders und neu und nicht leicht. "Können wir damit fertig werden?" fragt sich Ferdinand Quante in seinem Kommentar.

Hat Corona auch sein Gutes?

WDR 4 Zur Sache 18.03.2020 02:03 Min. Verfügbar bis 18.03.2021 WDR 4

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Gestern Nachmittag war noch richtig viel los, in Köln-Ehrenfeld jedenfalls. Die meisten Geschäfte geöffnet, munteres Treiben auf den Bürgersteigen. Vom Konsumenten zum Eremiten zu werden, ist anscheinend nicht so leicht.

Zumal der Frühling ja auch lockt, mit Sonnenschein und Vogelgezwitscher. Die Welt sieht so normal, so harmlos aus. Vielleicht ist für uns Katastrophe erst dann, wenn’s knallt und qualmt und die Erde bebt. Aber die dicken Klöpper kommen nun mal eher lautlos daher: die Finanzkrise 2008, der Klimawandel und jetzt Corona.

Noch ist ja nicht so ganz klar, was das Virus mit uns macht: Verbindet es, da wir ja alle von ihm betroffen sind, oder isoliert es nur, weil man für sich bleiben soll? Und was ist mit der Behauptung, Corona hätte auch sein Gutes? Von wegen Entschleunigung des Alltags und Entlastung der Umwelt. Wir brummen nun weniger in der Weltgeschichte herum und machen nicht mehr so viel kaputt. Der französische Philosoph Blaise Pascal hat ja mal gesagt: Alles Unglück hat seinen Grund darin, dass die Menschen nicht ruhig in einem Zimmer bleiben können.

Nur fürchte ich, viele Menschen werden jetzt unglücklich, weil sie ruhig in einem Zimmer bleiben müssen. Dort sitzen und in aller Ruhe sein Leben überdenken und zu sich selbst finden, das sagt sich so leicht. Der Stillstand kann einen auch schnell kribbelig machen, und was heißt hier überhaupt Stillstand? Je länger die Pandemie dauert, desto größer die Existenzsorgen, und umso schneller laufen dann die Horrorfilme im eigenen Kopf.

Verrückte Zeiten sind das. Der Bundespräsident hat uns nicht mehr viel zu sagen, die höchste Instanz im Lande ist jetzt der Virologe und hier und da macht sich Panik breit. Die Franzosen hamstern Rotwein und Kondome, die Holländer, sagte mir gestern mein Freund aus Rotterdam, vor allem Bier, wir Deutschen bunkern Toilettenpapier.

Ob wir die Lage beschissener finden als die andern? Ich weiß es ich nicht.

Stand: 18.03.2020, 14:07