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Coffee-to-go: Auf mich kommt's ja sowieso nicht an

 Eine Frau steht in Hamburg vor einem Gebaeude und benutzt ihr Smartphone (gestellte Szene).

Coffee-to-go: Auf mich kommt's ja sowieso nicht an

Von Ferdinand Quante

Für Umweltzerstörung und Klimakatastrophe gibt es so viele große weltweite Ursachen, dass einem leicht der Gedanke kommt, man selbst als kleine Einzelperson spiele da eigentlich keine Rolle. Irgendwie aber vielleicht doch, denn irgendwie muss ja dieser riesige Abfallberg zustande kommen, den die Deutsche Umwelthilfe jetzt errechnet hat: 40.000 Tonnen Coffee-to-go-Pappbecher jährlich. Wie kann man das verhindern?

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WDR 4 Zur Sache 21.05.2019 02:14 Min. WDR 4

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Es gibt da in unserem Alltagsleben einen sehr seltsamen Schrumpfeffekt. Klein, winzig, unbedeutend möchte ja eigentlich niemand sein, im Gegenteil, man will im Leben etwas darstellen, auf irgendeine Weise sichtbar und wichtig sein. Geht’s um die Umwelt, schrumpfen aber plötzlich viele zum puren Nichts. Standardsatz: "Wenn ich fliege, ist das doch aufs Ganze gesehen völlig egal."

Und dann wird in der Regel erklärt, dass das Flugzeug sowieso startet, ob du mit an Bord bist oder nicht, und am Ende kriegt man zu hören, was die Umwelt wirklich belastet: die Kohlekraftwerke, der Schiffsverkehr, die CO2-ausstoßenden Rinder.

Nur: Wenn der Einzelne tatsächlich keine Rolle spielt, wie kommt’s dann, dass die Weltmeere voller Plastik sind? Weil zig Millionen Einzelne dafür gesorgt haben. Und zig Millionen Einzelne sind’s eben auch, die per Flugzeug CO2 in den Himmel pusten. Sich einfach wegschrumpfen und glauben, man selbst fiele nicht ins Gewicht, das haut schlicht nicht hin.

Die Deutsche Umwelthilfe hat gerade eben eine echte Monsterzahl veröffentlicht: 2,8 Milliarden. So viele Coffee-to-go-Becher gehen pro Jahr in Deutschland über die Theke und landen, im Schnitt nach 25 Minuten, im Müll. Macht 40.000 Tonnen Abfall jährlich. Ich habe meinen Teil dazu beigetragen, aber selbstredend immer aus astreinen Gründen: dass mein plötzlicher Kaffeedurst gerade unbezwingbar ist und ich mir einen Coffee-to-go überhaupt nur selten, ja fast nie hole – kurz, ich schrumpfe mich dann gerne weg.

Die Unvernunft scheint unbesiegbar, und deswegen glaube ich, dass gegen 40.000 Tonnen Coffee-to-go-Müll ein Gesetz am besten hilft. Ja, man sollte die Pappbecher schlicht verbieten. Für die Umwelt wär’s am besten, und ein Verbot täte uns nicht weh, würde aber das Bewusstsein dafür schärfen, dass wir nicht so weitermachen können wie bisher.

Vielleicht schränken wir ja dann auch freiwillig das Fliegen ein, den Kauf von Plastikkram und so weiter. Unser Planet braucht das, und für uns gilt: Je mehr Freiwilligkeit heute, desto weniger Zwang morgen.

Stand: 21.05.2019, 13:10