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Kommentar: Warum Lauterbach Cannabis legalisieren will

Karl Lauterbach

Kommentar: Warum Lauterbach Cannabis legalisieren will

Von Stephan Karkowsky

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat seine Meinung geändert – zur Legalisierung von Cannabis. Bislang sei er als Arzt immer dagegen gewesen, sagte er der Rheinischen Post. Auf dem Schwarzmarkt aber könne die Droge mit anderen Stoffen verschnitten werden. Deshalb sei er nun für die legale und kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene. Stephan Karkowsky begrüßt das.

Kommentar: Warum Lauterbach Cannabis legalisieren will

WDR 4 Zur Sache 13.10.2021 01:50 Min. Verfügbar bis 13.10.2022 WDR 4 Von Stephan Karkowsky


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Eine Sache nur macht mich daran stutzig: Normalerweise twittert Lauterbach jede Studie raus in die Welt, sobald er sie gelesen hat. Diesmal: Keine Quellenangabe, kein Verweis, nur der unbelegte Satz, Zitat: "Immer häufiger wird dem illegal verkauften Straßen-Cannabis neuartiges Heroin beigemischt".

Das klingt leider nach völligem Unsinn. Zumal der Schwarzmarktpreis für Heroin weit über dem von Cannabis liegt. Das billige Zeug mit dem teuren zu strecken wäre so, als würde man billigen Sekt mit teurem Champagner panschen. Aber Hauptsache, der Karl ist jetzt auch dafür, jubeln die Kiffer.

Denn vor allem Grüne und FDP wollen in einer künftigen Ampel im Bund nun ernst machen mit der Legalisierung. Machbar wäre das aber nur mit Einverständnis des Bundesgesundheitsministers, und Lauterbach gilt als heißester Anwärter für diesen Posten.

Wird für Deutschlands Kiffer also alles gut? Ich zweifle daran. In vielen Bundesstaaten der USA, in Kanada, in Mexico, in Südafrika und anderswo sind Anbau und Verkauf von Cannabis längst legal. Aber da ist die Legalisierung vor allem marktgetrieben, sprich: Die Staaten kassieren Milliarden neuer Steuereinnahmen, die vorher beim Schwarzmarktdealer landeten.

In Deutschland dürfte aus der Legalisierung eher ein Bürokratiemonster werden. Rund um Reinheitsgebote und Jugendschutzgesetze. Mit langjährigen Pilotprojekten, Lizensierungen und staatlich geprüften Wirkstoffmengen-Prüfern. Statt einfach das Gras freizugeben, sprich: Den Heimanbau zu entkriminalisieren.

Cannabispflanzen lassen sich nämlich so einfach ziehen wie Tomaten oder Basilikum. Der Balkonanbau wäre zudem der sicherste Weg, sich vor verunreinigtem Gras zu schützen. Jetzt muss das nur noch einer dem Lauterbach vertwittern.

Stand: 13.10.2021, 13:10