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Keine Vorfreude auf die Bundesliga

Zwei Männer im Stadion, umgeben von leeren Sitzen

Keine Vorfreude auf die Bundesliga

Von Ferdinand Quante

Der Start in die neue Saison ist noch geisterhaft, denn heute Abend sind beim Eröffnungsspiel Bayern München gegen Schalke 04 keine Zuschauer zugelassen, bei den nachfolgenden Partien aber schon, da dürfen immerhin einige tausend Zuschauer in den Stadien die Spiele miterleben. Ja, der Bundesligaball rollt jetzt wieder, viele Fans werden das Ende der fußballlosen Zeit herbeigesehnt haben – viele, aber durchaus nicht alle.

Kommentar: Keine Vorfreude auf die Bundesliga

WDR 4 Zur Sache 18.09.2020 02:14 Min. Verfügbar bis 18.09.2021 WDR 4 Von Ferdinand Quante

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Eigentlich müsste die Vorfreude in mir britzeln. Ich müsste den Sportteil in der Zeitung jetzt eigentlich leicht fiebrig lesen, die Aufstellung meiner Mannschaft herzklopfend kontrollieren, Trainerworte aufsaugen und mich vollpumpen mit Hoffnung auf eine richtig starke Saison.

Aber dieses ganze schöne Fußball-Emotionsgewusel, das mich sonst Jahr für Jahr zu Beginn einer neuen Spielzeit durchrieselte, ist nicht mehr da. Eigentlich ist da nur Gleichgültigkeit, seit einem halben Jahr schon, seitdem es das alles beherrschende Virus gibt. Es legt die Liga lahm und mein Interesse am Fußball gleich mit. Dann folgten die ersten Geisterspiele. Das Wort sagt ja alles.

Neulich hab ich einen Radioreporter gehört. Er meldete sich live aus Essen, Pokalspiel. Kein brausendes Getöse, keine Fangesänge. Vereinzelte Stimmen waren im Hintergrund zu hören, ein schriller Pfiff in der leeren Stadionschüssel. Es hörte sich im wahrsten Sinne des Wortes gespenstisch und trostlos an. Die Aussicht auf ein paar Zuschauer, die sich jetzt zum Saisonauftakt auf den Tribünen verlieren dürfen, lässt mein Herz nicht gerade höher schlagen.

Vielleicht bin ich auch deshalb so gleichgültig, weil’s an Spannung fehlt. Die langweiligste Frage der Welt ist ja, wer Deutscher Meister wird. Naja, in Dortmund kann man dazu ganz sicher eine gewagte Spezialprognose hören, aber im Rest des Landes gibt es nur eine Antwort.

Und apropos Bayern. Die Münchener treten am ersten Spieltag als einzige Heimmannschaft vor leeren Rängen an. Fair ist das nicht, aber da es die übermächtigen Bayern trifft, auch gar nicht mal schlimm. Und beim Stichwort München muss ich an Rummenigge denken. Vor drei Jahren hat der mal laut über Gehaltsobergrenzen für Profifußballer nachgedacht und zu Beginn der Pandemie dann wieder.

Passiert ist aber nichts, gar nichts, obwohl die Vereine jetzt knapsen müssen und es längst an der Zeit ist, diese maßlosen und geradezu blödsinnigen Millionengagen kräftig zu beschneiden. Der große Geldzirkus Bundesliga – das vor allem ist es, was mich abstößt.

Die Saison startet, und keine Vorfreude britzelt.

Stand: 18.09.2020, 13:10