Live hören
Jetzt läuft: Jailhouse rock von Elvis Presley

Kommentar: Werbung im Briefkasten

Briefkasten mit Werbeblättern

Kommentar: Werbung im Briefkasten

Von Katja Schwiglewski

Sie kommen per Post und liegen Woche für Woche in Millionen von Briefkästen: Werbeblättchen, gerne als buntes Sammelsurium eingeschweißt in dünne Plastikfolie. Oft landet die unerwünschte Sendung sofort im Müll. Das sei eine enorme Ressourcen-Verschwendung und eine unnötige Belastung von Umwelt und Klima, sagt die Initiative "Letzte Werbung". Sie hat deshalb eine Unterschriften-Petition für eine Gesetzesänderung gestartet.

Kommentar: Werbung im Briefkasten

WDR 4 Zur Sache 13.11.2019 02:06 Min. Verfügbar bis 12.11.2020 WDR 4

Download

Forscher der Universität Gießen haben das mal ausgerechnet. Rund 35 Kilo unverlangt eingesandte Werbepost landet jedes Jahr in jedem deutschen Briefkasten. Insgesamt macht das etwa 1.200.000 Tonnen jährlich. Das ist viel, aber auch eine abstrakte Zahl. Sehr konkret ist dagegen mein wöchentliches Ritual: Werbung aus dem Briefkasten rausholen, Papier und Plastik trennen und alles direkt in die entsprechende Tonne entsorgen. Jedes Mal ein absurdes, völlig sinnfreies Spielchen, denn ich werfe keinen einzigen Blick in die Reklame. Wenn ich einkaufen bin, gucke ich im Supermarkt, was es an Angeboten gibt, das reicht dem Sparfuchs in mir.

Wo ich früher gewohnt habe, wurden Werbepost und Wochenblättchen nicht in die Briefkästen gestopft, sondern als Stapel vor der Haustür abgelegt. Dort haben die herrenlosen Sendungen dann entweder vom Winde verweht das Viertel verschandelt oder jemand hat sie doch mit ins Treppenhaus genommen, wo sie eine Woche lang unberührt auf der untersten Stufe lagen, bevor sie doch im Müll gelandet sind.

Mit anderen Worten: Bei mir rennt die Initiative "Letzte Werbung" offene Türen ein. Im Kern geht es dabei um eine verbraucherfreundliche Umkehr der gängigen Praxis. Die vielen Leute, die keine Werbung wollen, müssen nicht mehr aktiv werden und ausdrücklich nein sagen, mit warnenden Aufklebern auf dem Briefkasten und notfalls sogar auf juristischem Wege. Dafür sollen die wenigen, die tatsächlich Werbung frei Haus wünschen, ihr Einverständnis erklären. Das müsste die Post, die ein Schweinegeld mit den Massensendungen verdient, Haushalt für Haushalt abfragen.

Ich hoffe, niemand sagt jetzt, was für ein Aufwand. Dann möchte ich doch noch einmal an mehr als eine Million Tonnen Altpapier mit Folienbeiwerk erinnern, das jedes Jahr anfällt, ohne dass wir mehrheitlich einen Nutzen davon haben. Denn viele Bürger empfinden die Werbeflut im Briefkasten als überflüssig, das haben Umfragen ergeben. Wer gerne darin stöbert, soll die Blättchen weiterhin bekommen. Alle anderen aber sollten verschont werden.

Stand: 13.11.2019, 13:10