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Kommentar: Und ewig grüßt die Brexit-Abstimmung

Union Jack tin car on a map

Kommentar: Und ewig grüßt die Brexit-Abstimmung

Von Stephan Karkowsky

Ursprünglich war für heute, den 29. März, der Brexit geplant – der Austritt Großbritanniens aus der EU. Stattdessen stimmt das britische Parlament heute zum drittenmal über das Austrittsabkommen mit der EU ab. Stephan Karkowsky hat so eine Ahnung, dass auch das noch nicht das letzte Mal gewesen sein könnte …

Kommentar: Und ewig grüßt die Brexit-Abstimmung

WDR 4 Zur Sache 29.03.2019 02:09 Min. WDR 4

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ORDER! OOOORRRDER! Schallt es noch immer aus dem britischen Parlament. Wir schreiben das Jahr 2029. Die Abstimmung über den Brexit hat Dinner For One abgelöst – als beliebtesten britischen Fernsehsketch der Deutschen. Anders als Miss Sophie und ihr Butler James spielen Miss Theresa und ihr Kontrahent Jeremy ihr Stück allerdings noch immer täglich live. Mit einer unendlichen Anzahl winziger Variationen, die nur noch exquisite Kenner des Dramas wirklich auseinanderhalten können.

Häufig wird einfach nur darüber abgestimmt, ob noch einmal abgestimmt werden soll. Oft wird auch darüber abgestimmt, wie die letzte Abstimmung zu bewerten ist: Dann präsentiert für gewöhnlich die Regierung dem Parlament bis zu 64 mögliche Antworten, von denen naturgemäß keine eine Mehrheit findet. Weshalb die vorherige Abstimmung so oft wiederholt werden muss, bis in der Regel niemand mehr weiß, worüber man eigentlich abstimmt. Auch darüber wird dann, Sie ahnen es: abgestimmt.

Dass die EU bereits vor Jahren einseitig den Brexit vollzogen hat, hat im britischen Parlament wegen des Umzugs noch niemand bemerkt. 2025 ließ die britische Baubehörde den Westminsterpalace wegen Baufälligkeit sperren. Die Abgeordneten aber weigerten sich, ihre Brexitsitzungen zu unterbrechen – schließlich stehe das Schicksal des Königreiches auf dem Spiel.

Also verordnete Queen Meghan einen Zwangsumzug mitsamt dem historischen Mobiliar. Einen passenden Raum fand man im leerstehenden Großflughafen Berlin-Brandenburg, den Kanzler Habeck kurz vor der Eröffnung endgültig als –Zitat- "letzten Sargnagel des Weltklimas" bezeichnete und ihm die Betriebserlaubnis entzog.

Seitdem führt die Europäische Außengrenze rund um das Flughafengelände und wird von der EU-Grenzschutzbehörde Frontex so streng bewacht, dass nicht mal Nachrichten hineindringen.

Die Briten sind laut einer aktuellen Umfrage mehrheitlich sehr zufrieden darüber, dass die Queen und ihr Prinzgemahl Parlament und Regierung entsorgt haben. Zur Belustigung des Volkes wird stattdessen nun einmal im Jahr die königliche Hochzeit nachgespielt.

Stand: 29.03.2019, 00:00