Live hören
Jetzt läuft: I'm on fire von 5000 Volts

Brexit-Abkommen gescheitert – was nun?

FOTOMONTAGE, Wegweiser mit britischer Flagge und Schriftzug Brexit, bedrohlich, Gewitterstimmung, Symbolbild Austritt aus EU, Großbritannien, Europa

Brexit-Abkommen gescheitert – was nun?

Von Katja Schwiglewski

Nach der Abstimmung ist vor der Abstimmung: Das britische Parlament hat das Brexit-Abkommen mit der EU ein zweites Mal abgelehnt, daran konnten auch die kleinen Zugeständnisse aus Brüssel nichts ändern. Jetzt soll über einen harten Austritt ohne Vertrag abgestimmt werden. Sollte der "No-Deal-Brexit" ebenfalls abgelehnt werden, entscheiden die Parlamentarier morgen, ob London eine Verschiebung des Austritts beantragen soll.

Kommentar: Brexit-Abkommen gescheitert – was nun?

WDR 4 Zur Sache 13.03.2019 02:09 Min. Verfügbar bis 12.03.2020 WDR 4

Download

Steigen Sie da noch durch bei diesem ganzen Brexit-Hin und Her? Was bei mir hängen bleibt, ist der Eindruck, dass die Briten selber nicht wissen, was sie wollen. Am besten wäre eine zweite Volksabstimmung. Dann könnten die, die beim ersten Mal im Glauben, es könne nichts schiefgehen, zu Hause geblieben sind, vielleicht eine Mehrheit für den Verbleib Großbritanniens in der EU schaffen.

Aber ein zweites Referendum wird es wohl nicht geben. Aus irgendeinem Grund soll das der Demokratie schaden. Leuchtet mir zwar nicht ein, weil ich finde, dass es immer besser ist, einen Fehler einzugestehen und zu korrigieren, als aus Prinzip daran festzuhalten. Aber es ist, wie es ist, und nun müssen Großbritannien und die ganze Europäische Union sehen, wie sie damit klarkommen.

So ernst das ganze Thema auch ist, für mich haben die Bilder und Töne aus dem britischen Parlament auch immer großen Unterhaltungswert. Gerade gestern, was für eine skurrile Szenerie! Wie sie da so eng beieinander sitzen auf diesen altmodischen Holzbänken mit dem flaschengrünen Lederbezug. Auf Tuchfühlung mit den Parteifreunden, Aug' in Aug' mit dem politischen Gegner, so dicht, dass ein Hechtsprung genügen würde und schon hingen sie sich an der Gurgel. Dazu die krächzende Premierministerin, der brummende, raunzende, rufende Chor der Parlamentarier und ein Parlamentssprecher, der mit seiner markigen Performance dem billigen Jacob Konkurrenz machen könnte.

Sie sind schon sehr speziell, diese Briten. Über eines aber sollte man sich keine Illusionen machen: Der Schritt ins politische Chaos ist auch in anderen EU-Ländern und auch in Deutschland ein kleiner.

Besonnenheit, Rationalität, Geduld, das sind bröckelnde Tugenden in Zeiten, in denen politische Ansichten per Twitter und Co. wie Blendgranaten abgefeuert werden.

Zeit nachzudenken? Fehlanzeige. Auch bei uns gibt es Politiker, die ernsthaft den Austritt Deutschlands aus der EU fordern. Wer mit dieser Vorstellung liebäugelt, sollte beim Brexit-Chaos ganz genau hinsehen.

Stand: 13.03.2019, 13:10