Kommentar: Berufswahl heute

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Kommentar: Berufswahl heute

Von Jörg Brunsmann

Was war eigentlich Ihr Berufswunsch als Jugendlicher? Mädchen haben früher ja oft davon geträumt, Lehrerin oder Ärztin zu werden. Bei den Jungs ging es eher in Richtung Automechaniker oder Polizist. Was interessant ist: An dieser Wunschliste hat sich in den letzten Jahrzehnten kaum etwas verändert. Beruhigend – findet Jörg Brunsmann. Denn neue "Traumberufe" gibt es heute deutlich mehr als früher.

Kommentar: Berufswahl heute

WDR 4 Zur Sache 23.01.2020 02:00 Min. Verfügbar bis 22.01.2021 WDR 4

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Influencer, Youtuberin, Instagram-Model – mittlerweile gibt es doch einiges, was das Internet hervorgebracht hat. Alles bestimmt auch ganz interessante Tätigkeiten. Ich trau mich nur gar nicht, hier von Beruf zu reden. Und ich glaube: Viele Jugendliche, die gerade vor ihrer Berufswahl stehen, sehen das genauso.

Warum überhaupt entscheidet man sich für einen Beruf? Klar, Geld verdienen. Der Job soll Spaß machen – aber er soll natürlich auch eine Zukunft bieten. Und genau da weiß man bei Influencern und Co. gar nicht so genau, ob das funktioniert. Kann man mit 50 noch Instagram-Model sein und seine Familie davon ernähren? Die Frage kann einem im Moment ohnehin keiner beantworten.

Davon ab, dass auch nur wenige es überhaupt schaffen, sich in diesem Bereich zu etablieren. Youtuber, das ist die moderne Variante des Popstars, wie es ihn in unserer Jugend gab. Der Traum vom gefeierten Star – gerne auch in der Variante als Fußballer – den hatten ja auch in unserer Jugend viele. Und auch wir wussten damals genau: Das wird wohl nicht funktionieren. Talent, Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein – sowas kann man nicht durchplanen. Anders als die Ausbildung zur Lehrerin, zum Mechatroniker oder zur Polizistin.

Dass solche bodenständigen Berufe noch immer die Wunschlisten anführen – und das schon seit Jahrzehnten – ich finde das beruhigend. Es zeigt nämlich: Die Jugendlichen von heute sind gar nicht so viel anders als wir damals. Selbst "Fridays for future" und Greta Thunberg, über die sich ja gerade viele Ältere aufregen, passen perfekt in dieses Bild. Auch die wollen nichts anderes als eine Zukunft. Ich finde, das ist ein guter Plan.

Und es zeigt mir auch: Wenn Medien den Streit zwischen US-Präsident Trump und Greta Thunberg als Generationen-Konflikt inszenieren, dann ist das Blödsinn. Es geht hier nicht darum, dass Jung und Alt miteinander nicht klarkommen. Hier streiten Menschen, die eine Zukunft haben wollen, mit denen, die die Zukunft schon hinter sich haben.

Stand: 23.01.2020, 13:10