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Kommentar: Schön, dass wir doch ähnlich ticken

Sachsen, Chemnitz: Zuschauer stehen bei einem Konzert  «#wirsindmehr» auf einer Straße. Was macht einen guten Bürger aus? Ist die Gesellschaft gepalten? Eine Studie hat Junge und Alte, Menschen in Ost und West, mit und ohne Migrationshintergrund gefragt.

Kommentar: Schön, dass wir doch ähnlich ticken

Von Irene Geuer

"Was ist ein guter Bürger?" hat die Bertelsmann-Stiftung gefragt und erstaunliche Antworten bekommen. Erstaunlich deshalb, weil Menschen, egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund, ganz ähnlich geantwortet haben. Die meisten in Deutschland sind sich einig in den Werten, was zum Beispiel Respekt vor dem Alter oder vor anderen Religionen angeht.

Kommentar: Schön, dass wir doch ähnlich ticken

WDR 4 Zur Sache 11.12.2018 01:54 Min. Verfügbar bis 11.12.2019 WDR 4

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Ich bin ja bis jetzt auch davon ausgegangen, dass unsere Gesellschaft tief gespalten ist durch diverse weltanschauliche Gräben und die Gefahr tatsächlich besteht, dass wir irgendwann einmal auseinanderbröseln, wie alter Trockenkuchen.

Aber aha, die Bertelsmann-Studie zeigt etwas anderes. Wir sind uns in Deutschland ziemlich einig, was Bürgertugenden angeht. Und das mehr oder weniger quer durch die Bank. Also egal ob die Befragten Ladislaw, Ahmed oder Claudia heißen. Absolut wichtig für die drei ist: Gesetze zu befolgen, Respekt vor älteren Menschen zu zeigen und eigenverantwortlich für seinen Lebensunterhalt zu sorgen. Das finden 98 Prozent gut. Und fast alle sagen: Familie und Schule sind die wichtigen Orte für Wertevermittlung und nicht etwa eine Religionsgemeinschaft. Mit anderen Worten, wir haben eine Basis, ob in Deutschland geboren oder nicht, spielt im Grunde keine Rolle. Uns verbindet viel mehr, als wir glauben.

Aber warum haben wir daran auch unsere Zweifel? Die Antwort sitzt nicht nur am Stammtisch, sondern mittlerweile im Bundestag und tummelt sich in sozialen Medien. Das sind diejenigen, die meinen, Menschen mit Migrationshintergrund fänden Deutschland per se doof und sie wollten uns nur ihren Glauben und ihre Werte aufdrücken. Hetzerei schürt Misstrauen.

Da sind mir Studien einfach lieber. Und schön, dass diese nun von Bertelsmann einmal mehr klar macht, dass Herkunft egal ist, wenn es um Bürgerwerte geht. Damit können wir zusammen etwas anfangen.

Die Jungen können das übrigens schon richtig gut, laut Studie. Was mich auf meine Tochter bringt, die neulich mehrere Schulkameradinnen eingeladen hatte. Ich schaute, wahrscheinlich mit herabhängender Kinnlade; andächtig von einer zur anderen: Eine mit japanischen, eine mit afrikanischen, eine mit türkischen und eine mit italienischen Wurzeln.

In meiner Schulklasse gab es nur biodeutsche Kinder, was meine Tochter wiederum für absolut "spacy" hält. Wo seien denn die anderen gewesen, hat sie mich gefragt. Ich weiß es nicht, habe ich geantwortet. Aber schön, dass sie jetzt da sind.

Stand: 11.12.2018, 00:00