Kommentar: Corona und das Beherbergungsverbot

Kommentar: Corona und das Beherbergungsverbot

Kommentar: Corona und das Beherbergungsverbot

Von Stephan Karkowsky

Wo darf ich in Deutschland noch übernachten, wenn ich aus einem Corona-Hotspot komme? Das ganze Wochenende wurde weiter diskutiert über das Beherbergungsverbot, das in den meisten Bundesländern gilt. WDR 4-Autor Stephan Karkowsky hält es mit Ministerpräsident Laschet – und meint: Weg damit!

Kommentar: Corona und das Beherbergungsverbot

WDR 4 Zur Sache 12.10.2020 01:51 Min. Verfügbar bis 12.10.2021 WDR 4 Von Stefan Karkowsky


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Klar ist das absurd, dass ich ausgerechnet da nicht mehr einkehren darf, wo die Hygienemaßnahmen am strengsten sind: In Hotels und Pensionen! Nicht verboten wird mir dagegen, zu Besuch bei meiner Familie privat zu übernachten. Wo der Staat nicht weiß, wie eng die Betten stehen, und wie wenig wir uns an die Hygienegebote halten.

Aber genau das ist wohl der Grund hinter den Beherbergungsverboten: In Hotels und Pensionen sind sie durch das Melderecht kontrollier- und umsetzbar. In Privathaushalten nicht. Was nicht kontrollierbar ist, sollte auch nicht verboten werden. Da hat der Staat also dazugelernt.

Andere argumentieren: Es gäbe keine wissenschaftlichen Studien, die belegen, dass Corona sich vor allem durch Reisende im Inland ausbreitet. Das halte ich für unfair, denn der Staat kann nicht jedes Mal auf Studien warten, die sein Handeln legitimieren. Er muss in akuten Pandemielagen handeln. Und dabei macht er auch mal Fehler, wie jetzt mit dem Beherbergungsverbot.

Deshalb rechne ich damit, dass wir das am Mittwoch wieder loswerden. Dann treffen sich erneut Bund und Länder zum Corona-Krisengipfel.

Dass diesmal alle an einem Strang ziehen, braucht man dagegen nicht zu hoffen. Auf der einen Seite stehen Länder wie Sachsen-Anhalt, wo es nicht einmal Bußgelder gibt gegen Maskenverweigerer. Auf der anderen Seite: Bayern, wo Markus Söder die Bußgelder gern auf 250 Euro anheben will – ohne zu verraten, wer das kontrollieren und kassieren soll.

Söder macht gerade kein gutes Bild gegen Laschet, weil er den wichtigsten Einwand gegen Beherbergungsverbote im Inland ignoriert: Wer aus einem Risikogebiet kommt und unbedingt verreisen möchte, soll doch einen Test machen. Sagt Söder. Dann dürfe er ja in Bayern übernachten. Laschet wendet ein: Private Tests nur zum Zwecke einer Urlaubsreise überlasten Arztpraxen und Testlabore – die ohnehin schon am Anschlag sind. Ich würde sagen: Eins zu Null fürs Team Laschet. Und am Mittwoch sehen wir weiter.

Stand: 12.10.2020, 11:44