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Kommentar: Wie wir alle den Bauern helfen können

 Traktoren fahren im Rahmen einer Demonstration gegen Agrarpläne der Bundesregierung durch die Bonner Innenstadt.

Kommentar: Wie wir alle den Bauern helfen können

Von Stefan Karkowsky

Es ist bereits die zweite Bauerndemo in zwei Wochen, die heute in Bonn stattfinden soll: Aus ganz Deutschland werden Bauern erwartet, viele mit dem Traktor, und alle mit großen Sorgen um ihre Zukunft. Vor allem der Insektenschutzplan der Bundesregierung gefährde ihre Existenz, heißt es: 20 Prozent weniger Pflanzenschutzmittel würden auch 20 Prozent weniger Umsatz bedeuten. Stephan Karkowsky findet: Wir müssen unser Verhältnis zu Lebensmitteln grundlegend ändern.

Kommentar: Wie wir alle den Bauern helfen können

WDR 4 Zur Sache 22.10.2019 01:58 Min. Verfügbar bis 21.10.2020 WDR 4

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Ja, es stimmt: Bauern vergiften Umwelt, Klima und Grundwasser. Sie quälen Tiere und produzieren minderwertige Lebensmittel. Sie sind verantwortlich für Insektentod und Artensterben. Aber an all dem sind nicht die Bauern schuld, sondern wir Verbraucher.

Wir leisten uns die teuersten Küchen, kaufen aber die billigsten Lebensmittel. Wer nur 70 Cent ausgibt für den Liter Milch und eins fünfzig für das halbe Pfund Butter, der nimmt damit nicht nur die Massentierhaltung in Kauf. Er sorgt auch dafür, dass Bauern ohne Subventionen, Gift und Tierquälerei nicht überleben können.

Ich bin ein Junge vom Land. Ich war Geburtshelfer bei Kälbern. Ich weiß, wie die Arme jucken nach der Heuernte. Wie schwer diese Arbeit ist. Aber auch, wie befriedigend: Wie es die Seele streichelt, wenn man allein auf dem Feld steht, den Blick übers weite Land, und auf die Früchte seiner Arbeit schaut.

Bauern lieben die Natur. Sie wollen sie weder vergiften, noch wollen sie Tiere quälen. Also dürfen wir Verbraucher sie nicht länger unter Druck setzen, möglichst viel möglichst billig zu produzieren. Klar: Qualität hat ihren Preis. Wir finanzieren damit die Mehrarbeit der Bauern, mehr Platz für die Tiere und den Rückgang beim Ertrag. Aber wir tun auch was für unsere Gesundheit. Und: Für Umwelt-, Arten- und Klimaschutz.

Daran sollten Sie bei Ihrem nächsten Einkauf denken: Lieber gute Milch trinken, als viel Milch. Lieber gutes Fleisch, als viel Fleisch. Teure Lebensmittel sind kein Luxus: Wenn ein Brathähnchen weniger kostet, als die Summe des Futters für seine Aufzucht, dann kann da was nicht stimmen.

Die Politik sollte konsequent mitsteuern: Subventionen anheben für Bauern, die für artgerechte Tierhaltung und für eine pestizidarme Landwirtschaft stehen. Sie sind es, denen wir beistehen sollten. Das Ziel muss sein, die Preise für landwirtschaftliche Produkte nach und nach auf ein Niveau zu bringen, das Subventionen überflüssig macht. Für bessere Lebensmittel. Und zufriedenere Bauern.

Stand: 22.10.2019, 13:10