Kommentar: Bares statt Gutscheine

Das Bild zeigt Geldscheine und Gutscheine.

Kommentar: Bares statt Gutscheine

Von Stephan Karkowsky

Wenn Sie Tickets gekauft haben, Theater- oder Musicalkarten, wenn Sie eine Reise gebucht haben oder ähnliches: Sollte man dann den Veranstaltern in der Coronakrise erlauben, statt Geld zurück nur einen Gutschein auszugeben? So wollte es ursprünglich mal die Bundesregierung, um eine Pleitewelle zu vermeiden. Das aber widerspräche dem EU-Recht, hieß es aus Brüssel, also ruderte Berlin zurück. Stephan Karkowsky findet: Es gibt Grenzen der Solidarität.

Bares statt Gutscheine

WDR 4 Zur Sache 14.05.2020 02:06 Min. Verfügbar bis 14.05.2021 WDR 4

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Meine Frau feierte voriges Jahr einen runden Geburtstag – ich will nicht uncharmant sein, also sag ich nicht, welchen. Und wie das so ist, wenn frau 50 wird – ooops! Ist mir so rausgerutscht! – dann werden auch die Geschenke größer. Und so hingen an der ein oder anderen Blume Gutscheine, die wir noch immer nicht eingelöst haben: Zweimal Sauna hier, Wellnessoase dort, Essen zu zweit woanders.

Praktische Sache. Oder? Sagen wir mal so: Ich stand mal mit einem Geschenke-Gutschein in der Hand vor einer Sauna, die bereits zwei Jahre zuvor geschlossen wurde. Laut BGB sind Gutscheine zwar ab Ende des Jahres, in dem sie gekauft wurden, noch drei Jahre gültig. Aber was nutzt Ihnen das, wenn es die Firma nicht mehr gibt?

In der Coronakrise muss man diese Angst nicht nur um das Solarium um die Ecke haben, sondern auch um Weltfirmen wie Lufthansa oder große Konzert- und Musicalveranstalter. Wer sich auf einen Gutschein einlässt, macht das zunächst mal auf eigenes Risiko: Nur Bares ist Wahres.

Und was ist mit der Solidarität? Auch da würde ich differenzieren. Den Büchergutschein werf ich weg, der kleine Buchladen hats eh schon schwer genug. Den Restaurantgutschein betrachte ich ebenfalls als Spende. Ich will schließlich, dass es unseren Lieblingsjapaner noch gibt, nach der Krise.

Aber sich von der Lufthansa abspeisen lassen mit einem Gutschein, weil mein Mallorca-Urlaub wegen Corona abgesagt wurde? Geht gar nicht. Wir Verbraucher sind doch längst solidarisch mit der Reise- und Veranstaltungsbranche. Was glauben Sie denn, wo Olaf Scholz die Milliardenhilfen her nimmt? Das sind Steuergelder: Die Rechnung zahlen wir. Und viele von uns haben in der Coronakrise selbst Einbußen: Durch Kurzarbeit, ausgefallene Aufträge und stornierte Veranstaltungen. Da hört für mich die Solidarität auf.

Also: Recht muss Recht bleiben. Selbst wenn der Bund einen Weg findet, Gutscheine abzusichern – so dass wir bei einer Insolvenz unser Geld nicht verlieren: Dann würden wir kleinen Leute den großen Veranstaltern quasi einen Kredit gewähren. Und das kann nun wirklich nicht im Sinne des Erfinders sein.

Stand: 14.05.2020, 13:10