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Kommentar: Armut macht krank – besonders in Corona-Zeiten

Verzweifelter Mann

Kommentar: Armut macht krank – besonders in Corona-Zeiten

Von Stephan Karkowsky

Nach 14 Monaten Pandemie haben wir noch immer keine verlässlichen Zahlen darüber, wie und wo sich Menschen infizieren. Als Pandemietreiber unter Verdacht geraten sind dabei auch Menschen mit Migrationshintergrund. Obwohl es dazu keine offiziellen Zahlen gibt. Nur anekdotische Berichte: Von Ärzten in den Kliniken, von Hörern und von Menschen wie WDR 4-Autor Stephan Karkowsky. Der mahnt dazu, es sich bei der Suche nach den Schuldigen nicht all zu leicht zu machen…

Kommentar: Armut macht krank – besonders in Corona-Zeiten

WDR 4 Zur Sache 29.04.2021 01:44 Min. Verfügbar bis 29.04.2022 WDR 4 Von Stephan Karkowsky


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Ja, auch ich habe schon vor einer Moschee Menschen viel zu dicht und maskenlos gesehen, die sich umarmen und Hände schütteln, als gäbe es keine Pandemie. Aber das kann doch keinen Generalverdacht begründen gegen Muslime! Denken Sie an das rheinland-pfälzische Städtchen Kirn, die Inzidenz lag zuletzt bei 700! Hotspot war dort eine evangelische Kirchengemeinde. Unter den Mitgliedern: Viele Deutschrussen.

Aha, sagen nun manche: Wenn es also nicht "die Muslime" sind, sind es dann schlicht "die Ausländer"? Auch das stimmt nicht. Denn mit Herkunft oder Religion hat das wenig zu tun. Dafür umso mehr mit Armut. Hier geht’s um Menschen, die nachts unsere Büros putzen. Die bei Tönnies Fleisch zerlegen. Die im Pförtnerhäuschen Wache schieben. Die in prekären Verhältnissen leben, in den Wohntürmen am Stadtrand, dicht gedrängt in viel zu kleinen Wohnungen.

Diese Menschen hat der Staat bislang nicht ausreichend informiert. Im vornehmen Villenviertel Köln-Hahnwald liegt die Inzidenz bei Null. Aber wer dort wohnt, sitzt safe im Home Office und quetscht sich nicht morgens und abends in volle Busse und Bahnen. Der schaut nicht Russia Today, sondern die Tagesschau.

Arme Menschen mit Migrationshintergrund sind nicht Treiber der Pandemie, sie sind die Opfer.

Von Desinformation und Sprachbarrieren. Schon deutsche Muttersprachler verzweifeln beim Versuch, sich einen Impftermin zu besorgen. Wie geht’s dann denen, die nie richtig Deutsch gelernt haben? Deshalb versuchen die Gesundheitsämter nun verstärkt, bildungsferne Menschen in sozialen Brennpunkten zu überzeugen von der Notwendigkeit eines Impfschutzes. Bis dahin werden vermutlich viele Zugewanderte unaufgeklärt an Covid-19 sterben. Ohne, dass das in den Statistiken gesondert ausgewiesen wird.

Stand: 29.04.2021, 13:10