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Kommentar: Autos verbrauchen zu viel Raum

Parken für Anwohner

Kommentar: Autos verbrauchen zu viel Raum

Von Ferdinand Quante

Für Anwohner könnte es bald teurer werden. Bundesverkehrsminister Scheuer berät heute mit Vertretern der Kommunen über die Zukunft des innerstädtischen Verkehrs, und dabei geht es auch ums Auto und den Preis, den Anwohner für einen Dauerparkausweis zahlen. Der sei, so heißt es, viel zu niedrig und müsste dringend erhöht werden. Die Absicht ist klar: Die Zahl der Autos in unseren Städten zu reduzieren.

Für unsern Liebling kommt's jetzt aber knüppeldick. Von allen Seiten gibt's Dresche: weil er so laut ist, weil er die Luft verpestet, weil er Autobahnen braucht und Landschaften frisst, und jetzt kriegt er fürs Rumstehen in der Stadt auch noch was aufs Dach.

Sieht ganz so aus, als wär der PKW gar nicht mehr der Liebling, der er so lange war und für den auch alles getan wurde. Unsere Städte sind ja bis in den letzten Winkel fürs Auto passend gemacht, und was immer nur schön war, ist jetzt das Problem.

Für mich zum Beispiel, als Radfahrer. Meine Köln-Ehrenfeld-Tour am Morgen ist, sagen wir, durchaus lebensgefährlich. Schmaler Radweg, viele Räder, eingezwängt zwischen fahrenden und abgestellten Autos, geblockt von Taxis, die mal eben kurz oder auch nicht so kurz auf dem Radweg halten, so wie andere Autos dann auch, also muss ich abbremsen, stehen bleiben, Slalom fahren, es wird gehupt, es ist ein Graus, und dass einfach zu viele Autos im Innern unserer Städte sind, ist ja nicht nur meine Idee.

Die Politik ist auch drauf gekommen. Weniger Autos im Stadtverkehr lautet, grob gesagt, das Ziel, das sogar der extrem autoindustriefreundliche Verkehrsminister Scheuer anpeilt oder jedenfalls nicht rundweg ablehnt. Wenn er heute in Berlin mit Kommunalvertretern konferiert, geht's dabei auch um den ruhenden Verkehr, um parkende Autos. Die Städte sind voll davon. Als Anwohner zahlt man zehn, zwanzig oder dreißig Euro fürs Autoabstellen im eigenen Revier. Pro Jahr.

Ich will ja nicht kleinlich sein, aber wenn eine 10-Quadratmeter-Studentenbude im Jahr mal schnell dreitausend Euro kostet, sind zwanzig, dreißig Euro für eine Parkfläche in etwa derselben Größe schon ein Witz. Zumal Autos, das ist belegt, mehr herumstehen als fahren.

Wahrscheinlich werden höhere Parkgebühren kommen und vielleicht einige PKWs aus den Innenstädten drängen. Den Radfahrer wird's freuen, den Fußgänger auch. Verkehrswende nennt man das Spiel, bei dem das lange Zeit rundum geliebte Auto jetzt Dresche kriegt. Ein bisschen zumindest.

Kommentar: Autos verbrauchen zu viel Raum

WDR 4 Zur Sache 21.11.2019 02:12 Min. Verfügbar bis 20.11.2020 WDR 4

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Stand: 21.11.2019, 13:10