Kommentar: Altes reparieren – eine gute Sache

Altes Schnurtelefon

Kommentar: Altes reparieren – eine gute Sache

Von Jörg Brunsmann

Früher war das ganz normal: Da wurden Löcher in Socken gestopft. Vor 50, 60 Jahren wäre kaum jemand auf die Idee gekommen, Socken wegen eines Lochs wegzuwerfen. Auch vieles andere musste und hat länger gehalten. Heute dagegen heißt es ganz oft: "Ach, dann kauf ich mir doch was Neues". Finden wir ja auch schick, das neueste Handy oder die neue Hose zeigen zu können. Und merken doch gar nicht, was uns dabei verloren geht.

Kommentar: Altes reparieren – eine gute Sache

WDR 4 Zur Sache 30.11.2021 01:57 Min. Verfügbar bis 30.11.2022 WDR 4 Von Jörg Brunsmann


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"Komm doch mal zu mir, mein Enkel!" "Ja, Opa – was gibt’s denn?" "Guck mal hier, meine alte Taschenuhr. 50 Jahre habe ich die jetzt. Geerbt von meinem Opa. Und jetzt ist es an der Zeit, dass du sie bekommst und die nächsten 50 Jahre in Ehren hältst."

Können wir uns alle vorstellen, so eine Szene oder? Familienerbstücke, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Dinge, die über Jahrzehnte an Wert gewinnen, statt zu verlieren. Ich fürchte, das ist inzwischen eher eine Szene aus einem Märchen. Was wollen wir denn unseren Enkeln hinterlassen? Den VHS-Videorecorder von 1999? Oder den alten Diesel, der wegen fehlendem Rußpartikelfilter nicht mal mehr in die Innenstadt darf?

Es ist erschreckend, wie wenig Bestand das hat, was in den letzten 30, 40 Jahren so alles produziert wurde. Wir haben zwar jede Menge Sachen, aber nur wenige davon werden in fünf oder zehn Jahren noch einen Wert haben. Immer wieder ist jetzt die Rede von "Nachhaltigkeit", aber das, was die Industrie so herstellt – und was wir kaufen – ist leider oft alles andere als nachhaltig.

Wenn wir noch eine Chance haben wollen, die Umwelt und das Klima zu retten, dann müssen wir weg davon, ständig neue Berge mit ausgedienter Technik oder aus der Mode gekommenen Klamotten zu produzieren. Und gerade deshalb bin ich ein großer Fan des Reparierens. Mein Handy wird die Generation meiner Enkel herzlich wenig interessieren. Die werden sich das eher mitleidig angucken; so wie wir heute ein altes Schnurtelefon aus den 50er-Jahren. Aber für mich hat das Handy jetzt einen Wert – und zwar einen, den ich möglichst lange erhalten will.

Ja, vor allem Technik entwickelt sich rasend schnell weiter und ist irgendwann veraltet – aber wann das der Fall ist, will ich als Nutzer bestimmen – und nicht Firma XY. Und deshalb finde ich es gut, dass die Europäische Union durchgesetzt hat, dass neue Geräte reparierbar sein müssen. Geben wir dem Gebrauchten und der Reparatur eine Chance. Das tut nicht nur der Umwelt gut – sondern auch unserem Geldbeutel.

Stand: 30.11.2021, 13:10