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Kommentar: Altersarmut in NRW nimmt zu

Senior zählt sein Kleingeld

Kommentar: Altersarmut in NRW nimmt zu

Von Irene Geuer

Der Sozialbericht für NRW ist raus. Mit einer guten Nachricht: Das allgemeine Armutsrisiko sinkt in unserm Bundesland. Weniger Menschen sind von Einkommensarmut betroffen, verdienen also mehr. Prima. Aber es gibt auch eine schlechte Nachricht: Die Altersarmut wächst. Und NRW-Arbeitsminister Laumann von der CDU räumt selber ein: Gut, dass die Grundrente kommt. Aber das ist nicht genug, sagt Irene Geuer in ihrem Kommentar.

Kommentar: Altersarmut in NRW nimmt zu

WDR 4 Zur Sache 22.11.2019 02:10 Min. Verfügbar bis 21.11.2020 WDR 4

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Ist ja schon bemerkenswert, dass sich ein CDU Minister über die kommende Grundrente freut. Denn auf dem Bundesparteitag der CDU am Wochenende könnte es wieder Diskussionen darum geben. Ein Antrag der Unzufriedenen kursiert, weil sie mit dem Kompromiss zur Grundrente nicht einverstanden sind. Die mit der SPD ausgehandelte Regelung beinhaltet ihnen zu wenig Kontrolle darüber, dass auch wirklich, wirklich und nur und ausschließlich Bedürftige Anspruch auf Grundrente haben. Die Angst scheint da panisch, dass einer auch nur einen Euro zuviel bekommen könnte.

Dieser Antrag auf Nachjustierung der Grundrente kommt aus der Hamburger CDU und ich kann es nicht verstehen, wie man so am Thema vorbeidenken kann. Gerade die Hamburger müssten ein Interesse daran haben, dass die Altersarmut schnell in Angriff genommen wird. Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat in Hamburg schon Alarm geschlagen. Alte Menschen könnten sich die Stadt nicht mehr leisten. Die Gewerkschaft fordert für sie einen Hamburg-Aufschlag, weil die Lebenshaltungskosten exorbitant sind. Kaum bezahlbarer Wohnraum, kaum leistbare Altersheime – wie in vielen anderen Städten auch, machen wir uns nichts vor. Die Mutter einer Freundin sucht gerade in Köln eine kleine 2-Zimmer-Wohnung. Eine, die keine 40 Quadratmeter hat, könnte sie kriegen – für alles in allem 800 Euro. Welcher Rentner kann sich das leisten?

Altersarmut beginnt ja in jungen Jahren mit der Familie. Zuerst die Kinder, dann die Pflege der Eltern. Wer sich in jungen Jahren um die Familie kümmert, der wird selbst im Alter arm sein. Wer in jungen Jahren keinen vernünftigen Lohn für seine Arbeit bekommt, wird im Alter von der Rente nicht leben können. Nur bis 2025 ist gesichert, dass das Rentenniveau nicht unter 48 Prozent absinkt. Das ist in gut fünf Jahren. Und keiner weiß, was uns danach erwartet.

Also, die in den 50ern sollten sich fit halten, damit auch noch der 75. Geburtstag im Betrieb gefeiert werden kann. Rollatoren sollten tauglich gemacht werden fürs Päckchenaustragen auf 400 Euro Basis. Oder uns fällt vielleicht noch etwas anderes ein. Das könnte zum Beispiel ein vernünftiger Mindestlohn sein, das könnte mehr Unterstützung für Pflegende sein, oder vielleicht auch ein bedingungsloses Grundeinkommen, das ja immer wieder diskutiert wird. Gutes Zusammenleben muss im Mittelpunkt der Politik stehen. Ansonsten sehen wir schon bald alle alt aus.

Stand: 22.11.2019, 13:10