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Kommentar: Steuern rauf für weniger Alkohol?

Fastnachtsumzug in Frankfurt am Main (2019)

Kommentar: Steuern rauf für weniger Alkohol?

Von Ferdinand Quante

Ob der Zeitpunkt jetzt so günstig ist? Ausgerechnet im Karneval wird die Forderung erhoben, die Alkoholsteuer zu erhöhen. Die drogenpolitische Sprecherin der Grünen hat sie vorgebracht. Mit einer Verteuerung alkoholhaltiger Getränke will sie den übermäßigen Konsum von Bier, Wein und allem Hochprozentigen eindämmen. Wäre das womöglich eine hilfreiche Maßnahme? Und wie findet man diese Forderung wohl draußen im Lande?

Kommentar: Steuern rauf für weniger Alkohol?

WDR 4 Zur Sache 17.02.2020 02:09 Min. Verfügbar bis 16.02.2021 WDR 4

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Das hat auch noch gefehlt, dass man uns jetzt kommt mit der schrägen Idee, den Alkohol zu verteuern. Wohl, um uns damit den letzten Spaß zu nehmen, um uns irgendwie erziehen zu wollen. Ne!

Ich weiß nicht, aber ist es das, was die Mehrheit über den Vorstoß der Grünen denkt? Wenn's hier bei uns um Alkohol und seine Einschränkung geht, ist das ja nie eine Kleinigkeit, da geht's um Grundsätzliches, um Freiheit, Freude und Selbstbestimmung, und vor allem um Tradition.

Eine Tradition, die ihren eigenen Tempel hat, die deutsche Kneipe nämlich, wo der Alkohol seit Jahrhunderten fließt, und wer ihn richtig strömen sehen will, besucht die Münchner Wies'n zum Oktoberfest. Da sticht der Oberbürgermeister das erste Fass an und trinkt von der Menge umjubelt die erste Maß. Und was ist ein Politiker, der auf einem Fest fröhlich das Bierglas hebt? Volksnah natürlich.

Ja sicher, Alkohol verbindet. Deswegen funktionieren Kneipen so gut. Bier und Korn lösen die Zunge, heben die Stimmung, hoch die Tassen, zum Wohle auch. Nur ist halt klar, dass das mit dem Wohle bloß die halbe Wahrheit ist, oder nicht mal die halbe. Alkohol kann krank machen und süchtig und Beziehungen ruinieren, Familien zerstören. So gut Bier, Wein und Whisky schmecken und die Seele trösten mögen, sie können zur Droge werden.

An sich ist Droge ja ein Wort, auf das Politiker, vor allem viele konservative Politiker, empfindlich reagieren. Cannabis ist für sie des Teufels, Alkohol aber gar nicht so schlimm. Die Bierleichen auf den Münchner Wies'n? Vermutlich Tradition.
Die Grünen sehen das anders und fordern, die Alkoholsteuer zu erhöhen.

Kann man machen, wobei ich mich frage, warum die Grünen nicht da ansetzen, wo es viel effektiver wäre, bei der Werbung nämlich. Die ist für Alkohol nach wie vor erlaubt.

Und wenn ich mir vorstelle: Die Alkoholsteuer wird erhöht, um den Konsum einzudämmen, aber die Reklame für Bier und Wein darf ungehindert weiterlaufen – wär das nicht reichlich komisch?

Stand: 17.02.2020, 13:10