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Kommentar: Alarmstufe Rot in Veranstaltungsbranche

Alarmstufe Rot

Kommentar: Alarmstufe Rot in Veranstaltungsbranche

Von Katja Schwiglewski

Mit einer Demonstration in Berlin wollen Veranstalter und Künstler aus ganz Deutschland noch einmal auf ihre verzweifelte Lage aufmerksam machen. Die Eventbranche leidet massiv unter den Corona-Maßnahmen und fühlt sich von der Politik nicht ausreichend unterstützt. Es geht um Existenzen und die Frage, was uns Kultur eigentlich wert ist. Dazu der Mittagskommentar von Katja Schwiglewski.

Kommentar: Alarmstufe Rot in Veranstaltungsbranche

WDR 4 Zur Sache 28.10.2020 02:01 Min. Verfügbar bis 28.10.2021 WDR 4


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Als im Frühjahr Kinos, Theater, Konzerthäuser und Museen vorübergehend dicht gemacht wurden und Kulturfestivals reihenweise abgesagt werden mussten, habe ich gedacht, Mensch, wie schade. Kultur spielt in meinem Leben eine wichtige Rolle. Andererseits: Hauptsache, die Supermärkte bleiben geöffnet, ich kriege Klopapier und Nudeln, und im Wald spazieren oder Radfahren ist ja auch ganz schön. Abwechslung und Anregung haben mir trotzdem gefehlt.

Was mir ein Stück Lebensqualität genommen hat, bedeutet für Künstler, Veranstalter und die vielen, vielen Menschen, die hinter den Kulissen großer und kleiner Events arbeiten, eine Existenzfrage. Wenn nichts mehr läuft, stehen sie ruckzuck vor dem Ruin. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Initiatoren vom Bündnis "Alarmstufe Rot" recht haben, wenn sie sagen, dass die Veranstaltungsbranche von der Corona-Krise getroffen ist wie kaum eine andere. Die ganze Wirtschaft ächzt unter der Pandemie. Aber wer sein Geld damit verdient, Publikum an einem Ort zu versammeln, kann wirklich einpacken in diesen Tagen.

Abgespeckte Veranstaltungen mit ausgedünnten Sitzreihen bringen finanziell wenig ein, und aus eigener Erfahrung muss ich sagen, das alles macht auch nur mäßig Spaß unter den geltenden Auflagen: Maskenpflicht am Platz, während der ganzen Veranstaltung, keine Pause, dünner Schlussapplaus, die Stimmung getrübt.

"Kultur to go" ist auch kein Geschäftsmodell, angesichts der Gratis-Mentalität im Netz. Die gestreamten Wohnzimmer-Konzerte und digitalen Veranstaltungen im Internet, die es immer wieder gibt, sind nichts als rührende Lebenszeichen einer schwer angeschlagenen Branche, die dringend auf effiziente Nothilfe angewiesen ist, um nicht vollends k.o. zu gehen. Ich wünsche der Initiative jedenfalls, dass sie in Berlin Gehör findet. Corona darf keine kulturelle Einöde hinterlassen. Wir werden wieder Freude mit Musik und Kultur haben, wenn bis dahin nicht alles kaputt gegangen ist.

Stand: 28.10.2020, 13:10