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Kommentar: AKK verzichtet auf Kanzlerkandidatur

Annegret Kramp-Karrenbauer steht am 06.02.2020 hinter Pressemikrofonen

Kommentar: AKK verzichtet auf Kanzlerkandidatur

Von Jörg Brunsmann

Das ist für viele die Nachricht des Tages – der nächste Sturm, diesmal ein politischer, der durch die CDU fegt. Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat heute morgen angekündigt, nicht als Kanzlerkandidatin zur Verfügung zu stehen. Und auch ihren Posten als CDU-Vorsitzende will sie aufgeben. Jörg Brunsmann findet, die Entscheidung kommt zwar überraschend, ist aber nachvollziehbar.

Kommentar: AKK verzichtet auf Kanzlerkandidatur

WDR 4 Zur Sache 10.02.2020 02:08 Min. Verfügbar bis 09.02.2021 WDR 4

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Ob Kanzlerin Merkel die Nachricht wohl überrascht hat? Kaum vorstellbar. Eigentlich war es sogar die Kanzlerin selbst, die AKK zu Fall gebracht hat. Ich fand das schon sehr merkwürdig, Merkels Äußerungen nach der Ministerpräsidenten-Wahl in Thüringen letzte Woche. Da ist die Kanzlerin auf Staatsbesuch in Angola und meldet sich von dort; Tausende Kilometer von Deutschland entfernt, so zu Wort, wie man es eigentlich nur von einer Parteichefin erwartet hätte.

Das Ergebnis der Ministerpräsidenten-Wahl, so Merkel, sei "unverzeihlich" und müsse "rückgängig gemacht werden". Von einer Parteipolitikerin hätte ich das erwartet, aber nicht von einer Kanzlerin, die ja auch Distanz zu den Angelegenheiten ihrer eigenen Partei halten sollte. Es waren offenbar die Worte, die Merkel sich von ihrer Nachfolgerin an der Spitze der CDU, von Annegret Kramp-Karrenbauer gewünscht hätte. Die Kramp-Karrenbauer aber eben nicht gesagt hat.

So, wie AKK überhaupt nur selten wirklich deutliche Worte benutzt hat. Am Anfang mögen viele das noch als alternativen, sanfteren Führungsstil empfunden haben. Jetzt aber, mit dem Rückzug, sieht es so aus, als hätte sie die Zügel nie wirklich in der Hand gehabt. Für die CDU ist dieser Rückzug eine große Chance. Denn jetzt kann wieder neu darüber diskutiert werden, wie sich die Partei nach links und rechts abgrenzt. Dass man mit der AfD keine Berührungspunkte haben will und sich auch in den Länderparlamenten nicht gegenseitig stützen will, finde ich gut und richtig. Dass sich die CDU aber auch so deutlich nach links – Richtung Linkspartei und Grüne – abgrenzt, macht es ihr immer schwerer, überhaupt noch einen Koalitionspartner zu finden.

Man ist noch nicht auf dem Niveau der SPD angelangt, aber die Umfragewerte der letzten Jahre sind deutlich gesunken. Und so könnte nach der SPD jetzt auch die CDU ihren über Jahrzehnte sicher geglaubten Status als Volkspartei verlieren.

Aber wer könnte das verhindern? Gleich zwei Posten sind jetzt zu vergeben. Und ich frage mich, ob die Zeit damit gekommen ist für den Parteivorsitzenden Friedrich Merz und den Kanzlerkandidaten Armin Laschet? Beide Nordrhein-Westfalen, da bin ich mir ziemlich sicher, werden sich nicht lange bitten lassen.

Stand: 10.02.2020, 13:10