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Kommentar: Sollte man Airbnb an die Kette legen?

Ein Mann ueberreicht einer Frau am Wohnungsschluessel (gestellte Szene)

Kommentar: Sollte man Airbnb an die Kette legen?

Von Ferdinand Quante

Wegfahren und günstig unterkommen? Im Digitalzeitalter kein allzu großes Problem. Dutzende Anbieter mit Platzhirsch Airbnb an der Spitze vermitteln Unterkünfte in allen Preisklassen. Schön für Reisende, schlecht für alle, die eine Wohnung auf Dauer suchen, weil Airbnb und Co. mit ihrem Geschäft die Wohnungsnot verschärfen. Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel will das nicht weiter hinnehmen und fordert eine Meldepflicht, damit der knappe Wohnraum nicht wahllos an Kurzzeitmieter verschwendet wird.

Kommentar: Sollte man Airbnb an die Kette legen?

WDR 4 Zur Sache 20.01.2020 02:19 Min. Verfügbar bis 20.01.2021 WDR 4

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Michael in München freut sich auf uns. Schreibt er jedenfalls. Wobei es nun gar nicht sicher ist, dass wir einander überhaupt begegnen werden. Bei der letzten privaten Wohnung, die ich bei Airbnb gebucht hatte, lag der Türschlüssel neben dem Hauseingang in einem kleinen Kasten, den man mit einem Zahlencode öffnen konnte.

Die Wohnung war nichts Besonderes, aber doch ordentlich ausgestattet und vergleichweise günstig. Vier Tage im Hotel mit vier Personen hätten wesentlich mehr gekostet, und einfacher wäre eine Hotelbuchung auch nicht gewesen. Und was die Angebote bei Airbnb betrifft – es dürften allein in dem Preisbereich, den ich am Bildschirm angegeben hatte, mehrere hundert Wohnungen gewesen sein. Eben da liegt das Problem.

Wo viele private Unterkünfte für kurze Zeit vermittelt werden, ist weniger Wohnraum für ganz normale Mieter. In den großen und mittleren Städten ist durch Airbnb das eh schon knappe Angebot an Wohnungen weiter verknappt worden. Hohe Mietkosten sind die Folge, so hohe oft, dass viele an die Randbezirke einer Stadt oder gleich aufs Land ausweichen und dann täglich pendeln müssen.

Natürlich ist nicht nur Airbnb an den teils irren Quadratmeterpreisen in den Städten schuld, da spielt auch der staatlich verschnarchte Bau von bezahlbarem Wohnraum eine Rolle, und überhaupt ist Airbnb kein Einzeltäter: fewodirekt, casamundo, bestfewo und wie sie alle heißen, machen munter mit, und auch das sollte man ja nicht vergessen: Wenn in einem Haus gleich mehrere Wohnungen nur kurzzeitig vermietet werden, gibt’s dort keine funktionierende Nachbarschaft mehr.

Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Geisel hat schon recht, wenn er fordert, dass Airbnb für jede Unterkunft genau angeben soll, wie oft und wie lange sie angemietet wurde. So könnte man nämlich leicht erkennen, wenn ein Privatvermieter seine Wohnung missbräulich benutzt. Vielleicht wäre Michael in München dann aus dem Rennen, und ein ganz normaler Mieter könnte bei ihm einziehen. Ich fänd’s ja grundsätzlich gut. Und bin zugleich froh, dass ich die günstige Wohnung sicher habe, ganz gleich, ob Michael sich wirklich auf uns freut und ob wir ihm je begegnen werden.

Stand: 20.01.2020, 13:10