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Ärztemangel – weniger Bürokratie bitte

Ärzte in weißen Kitteln stehen in einem Krankenhaus zusammen.

Ärztemangel – weniger Bürokratie bitte

Von Jörg Brunsmann

Der Bundestag stimmt heute über ein neues Gesetz ab. Es geht darum, dass Kassenpatienten bald schneller einen Termin bekommen sollen, besonders, wenn es um Besuche bei Fachärzten geht. Die Ärzte sollen unter anderem mehr Geld bekommen, wenn sie der zentralen Vermittlungsstelle kurzfristige Termine anbieten. Jörg Brunsmann glaubt, das wird nicht reichen – damit die Reform Erfolg hat, fehlt etwas Entscheidendes.

Ärztemangel – weniger Bürokratie bitte

WDR 4 Zur Sache 14.03.2019 01:56 Min. Verfügbar bis 13.03.2020 WDR 4

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Erstmal finde ich das ja gut, dass Gesundheitsminister Spahn hier etwas tut. Denn das Problem gibt es seit Jahren; das habe ich selbst schon erlebt: Wer zum Facharzt will, muss teilweise mehrere Wochen oder gar Monate auf einen Termin warten. Woran das liegt? Klar, es ist nicht ein Grund alleine. Wir werden zum Beispiel immer älter; die Wehwechen im Alter nehmen zu – das heißt: Der Bedarf an Ärzten wächst auch dadurch.

Und mein Eindruck ist: Viele wollen sich nicht mehr einfach mit dem Urteil des Hausarztes zufrieden geben. Da geht man lieber gleich zum Spezialisten – auch wenn es vielleicht gar nicht immer sein muss. Davon ab, dass ja auch die Hausärzte oft gar nicht so leicht zu erreichen sind. Gerade auf dem Land gibt es zu wenige Ärzte und bei diesen wenigen platzen die Praxen auch aus allen Nähten.

Kann man also mal angehen, so eine Reform. Das Problem von Gesundheistminister Spahn ist aber: Er hat es bisher nicht geschafft, die Ärzte selbst mit an Bord zu holen.

Aber wie soll das funktionieren? Wie soll sich etwas ändern, wenn diejenigen, die diese Änderungen umsetzen müssen, nicht mitziehen. Die Fachärzte sollen zusätzliche Sprechstunden anbieten. Was aber, wenn sich die Ärzte in dieser Zeit alle gemeinsam selbst krank melden? Selbstständigen Ärzten vorzuschreiben, mehr zu arbeiten als sie wollen – und es ihrer Leistung im Job gut tut – das ist keine gute Lösung.

Wer mit Ärzten spricht und ihnen wirklich mal zuhört, der bekommt immer wieder zu hören, dass viele sich von der Bürokratie überfordert fühlen. Hier noch einen Zettel ausfüllen, da noch ein Protokoll. Kann man da nicht mal rangehen? Und den Ärzten mehr Zeit verschaffen, um sich um ihren eigentlichen Job zu kümmern – das Gespräch und die Behandlungen von Patienten. Auch das hätte der Gesundheitsminister in der Hand, viele dieser bürokratischen Hürden hat die Politik schließlich mit aufgebaut. Weniger Druck statt mehr, weniger "müssen" und dafür wieder mehr "dürfen" – nämlich Menschen helfen. Eigenartig, dass darüber fast gar nicht diskutiert wird.

Stand: 14.03.2019, 13:10