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Kommentar: Der wahre und der falsche Fußball

Ein zerstörtes Schalke 04 Schild in Gelsenkirchen

Kommentar: Der wahre und der falsche Fußball

Von Jörg Brunsmann

Schlimme Szenen, die da in den Sozialen Medien oder auf einzelnen Internetseiten zu sehen sind: Nach dem Abstieg von Schalke 04 gestern Abend werden die Spieler bei der Ankunft vor der Schalke-Arena von Fans regelrecht gejagt. Dass Anhänger des Vereins ihrem Ärger so Luft machen, blieb zum Glück die absolute Ausnahme, auch wenn der Frust bei vielen Schalke-Anhängern groß ist. Jörg Brunsmann kann das in seinem "Zur Sache"-Kommentar verstehen, ist aber auch davon überzeugt: Ohne die Möglichkeit, aus der Liga ab- oder aufzusteigen, würde der Fußball viel von seiner Faszination verlieren.

Kommentar: Schalke und die Super-League

WDR 4 Zur Sache 21.04.2021 01:52 Min. Verfügbar bis 21.04.2022 WDR 4 Von Jörg Brunsmann


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Erinnern Sie sich noch an das Jahr 1988? Damals gab es noch die DDR und die Sowjetunion, in Deutschland fand die Fußball-Europameisterschaft statt, im Fernsehen liefen "Showgeschichten" mit Hans-Joachim Kulenkampff und im Radio fragte Herbert Grönemeyer "Was soll das?". Und die meisten Fans von Schalke 04 waren gerade mal geboren oder im Kindergartenalter. 33 Jahre ist es her, dass der Verein das letzte Mal abgestiegen ist – kein Wunder, dass es vielen jetzt so richtig weh tut.

Aber so sind nun einmal die Spielregeln der Fußball-Bundesliga. Und das ist auch gut so. In der "Super League", deren Gründung einige der großen europäischen Vereine am Montag verkündet haben, wäre das anders. Da würde es keinen Abstieg geben. Aber – das auch als Frage vor allem an die Schalke-Fans – wäre das denn wirklich besser? Eine Mannschaft, die permanent so schlechte Leistungen gebracht hat wie Schalke in dieser Saison, gehört nicht in die höchste deutsche Fußball-Liga. Vor allem dann nicht, wenn andere, die deutlich besser spielen, keine Chance haben, in diese Liga zu kommen.

Gut, dass die "Super League", die alles andere als super gewesen wäre, jetzt zu scheitern scheint. Denn auch die Fußball-Fans in Großbritannien haben klar gemacht: Auch sie lieben an ihren Mannschaften den Wettkampf, das "gewinnen wollen" aber eben manchmal auch das "verlieren müssen". So wie auf Schalke. 33, oft ja ziemlich erfolgreiche, Jahre sind jetzt erst mal zu Ende. Ein wichtiger Abschnitt im Leben des Vereins ist vorbei. Aber es gibt eben auch die Chance auf etwas Neues. So wie damals. Neun Jahre nach dem letzten Abstieg gewann Schalke 1997 den Uefa-Pokal. Die "Eurofighter" sind heute fester Bestandteil des Schalke-Mythos. Ein Mythos, der wohl nur deshalb entstehen konnte, weil Schalke vorher so heftig abgestürzt war, weil der Verein sich neu erfinden musste. Auch wenn es weh tat, so wie jetzt.

Stand: 21.04.2021, 12:49