Bahntickets

Kommentar: Zu teuer sagt der ADACÖPNV in NRW

Stand: 04.11.2021, 13:15 Uhr

Deutschlands größter Automobilclub hat die Preise im Öffentlichen Nahverkehr von Großstädten verglichen. Demnach bietet der Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) in Köln und Bonn das bundesweit zweitteuerste Monatsticket an. Auch Tagestickets sind anderswo erheblich günstiger. Stephan Karkowsky fragt sich, was er anfangen soll mit dieser Information.

Von Stephan Karkowsky

Kommentar: Zu teuer sagt der ADAC – ÖPNV in NRW

WDR 4 Zur Sache 04.11.2021 01:45 Min. Verfügbar bis 04.11.2022 WDR 4 Von Stephan Karkowsky


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Grundsätzlich ist Misstrauen angebracht, wenn der ADAC den öffentlichen Nahverkehr kritisiert. Laut Satzung ist der Zweck des ADAC doch die "Wahrnehmung und Förderung der Interessen des Kraftfahrwesens, des Motorsports und des Tourismus". Nichts davon ist ÖPNV. Aber selbst wenn man gutwillig unterstellt, der ADAC kümmere sich um die Mobilität seiner Mitglieder: Warum dann dieser Preisvergleich?

Dass man in Düsseldorf teurer wohnt als in Duisburg ist bekannt. Mit den Fahrscheinen ist das genauso: Die Berliner Verkehrsbetriebe kalkulieren nun einmal anders als die Münchener. Da kostet dann eine Wochenkarte in Berlin schnell mal das Doppelte. Allerdings ist das Streckennetz auch mehr als doppelt so groß.

Aus Verbrauchersicht ergeben Preisvergleiche nur Sinn, wenn ich sie zum Geld sparen nutzen kann. Etwa beim Benzinpreisvergleich. Den Fahrgästen in Bonn oder Köln aber dürfte es egal sein, dass ein Tagesticket in Frankfurt drei Euro günstiger zu haben wäre. Eine Vereinheitlichung der Preise würde zu anderen Ungerechtigkeiten führen: Warum etwa sollten Menschen in reichen Kommunen mit schicken neuen Bussen und Bahnen nicht mehr zahlen als andere?

Selbst die Preissteigerungen im ÖPNV sollte man nur mit Vorsicht kritisieren. Klar wäre es schön, wenn die Tickets insgesamt günstiger wären. Aber wie soll das gehen? Schon jetzt deckt der Ticketverkauf bei weitem nicht die Kosten. Weshalb sich gerade erst zwei Privatbahnbetreiber aus NRW zurückziehen: Eurobahn und Rhein-Ruhr-Express lohnen sich nicht mehr. Gewinne sind da nicht zu holen. Ohne Subventionen geht’s nicht. Wer einen gesunden ÖPNV will, muss ihn ausreichend finanzieren. Einheitliche Preise bringen uns diesem Ziel nicht näher.