Kommentar: 2G – Geht doch!

Verkehrsschilder mit 2G und 3G Aufschrift, die in verschiedene Richtungen zeigen

Kommentar: 2G – Geht doch!

Von Irene Geuer

Wenn zu viele Menschen mit Corona auf Intensivstationen behandelt werden müssen, dann soll es verschärfte Regeln für Ungeimpfte geben. Das ist der neue Plan in Baden-Württemberg, der heute bekannt wurde. Ab Montag soll eine Warnstufe gelten, sobald 250 Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt sind. Dann dürfen Ungeimpfte nur noch mit PCR Zugang zu bestimmten öffentlichen Bereichen haben.

Kommentar: 2G – Geht doch!

WDR 4 Zur Sache 09.09.2021 01:46 Min. Verfügbar bis 09.09.2022 WDR 4 Von Irene Geuer


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Genau. Denn dieser Plan hat noch eine zweite Zündstufe. Müssen noch mehr Corona-Patienten intensiv behandelt werden, dann soll die 2G-Regel in Kraft treten. Sprich: Ungeimpfte müssen draußen bleiben. Nur Geimpfte und Genesene dürfen in Restaurants oder Cafés. Gut so. Und ich wundere mich, warum sich so viele andere Politiker vor solchen Regeln zieren. Wir haben das doch alles schon mal durchexerziert. Nicht bei einer Pandemie, sondern bei einem gesundheitsgefährdenden Laster: dem Rauchen.

Ich kann mich noch erinnern, dass wir früher überall geraucht haben, in Konferenzen, im Kino, im Restaurant, an der Bahnsteigkante. Alles passé, alles verboten. Und das Erstaunliche ist ja: Nicht nur im öffentlichen Raum haben die Raucher ihre Rechte am Qualmen verloren, sondern auch im Privaten. Ich kenne keine Party mehr, wo drinnen geraucht wird.

Also: Es ist doch einzusehen, dass man sich zurücknimmt, wenn andere Menschen leiden oder krank werden könnten. Und das ist mit der Corona-Situation vergleichbar: Ungeimpfte müssen sich zurückhalten, damit sie sich nicht gegenseitig anstecken. Ich weiß: jetzt jaulen die Gegner von 2G auf und zeigen auf die Kinder, die bisher ja nicht geimpft werden können. Die Armen dürfen jetzt also nicht mehr mit ihren Eltern essen gehen? Alles Quatsch. Für Kinder wurden bisher immer Ausnahmen getroffen. Und außerdem: Auch Kinder sind geschützter, wenn ungeimpfte Erwachsene nicht in ihre Nähe kommen.

Aber was rede ich mir den Mund fusselig. Die Landesregierung hier in Nordrhein-Westfalen hat Wuppertal mit besonders hoher Inzidenz eine 2G-Regelung erlaubt – ansonsten werde die Situation eingehend beobachtet. Verstehe: In einem Bundesland, das einen Ministerpräsidenten hat, der Kanzlerkandidat ist, kann es wahrscheinlich keine strengeren Regeln geben. Könnte ja Wählerstimmen kosten. Umgekehrt wird aber auch ein Schuh draus: Ein zögerlicher Ministerpräsident als Kanzlerkandidat wird von denen nicht gewählt, die sich klare Kante gegen Corona wünschen.

Stand: 09.09.2021, 12:44