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Euro und D-Mark

Kommentar: 20 Jahre Euro – und die D-Mark lebt weiter!

Stand: 03.01.2022, 13:10 Uhr

Unser Tagesthema heute: Der Euro. 1999 ist er als Buchgeld eingeführt worden. Da haben die Finanzleute schon mal auf dem Papier mit der neuen Europa-Währung geübt. Und drei Jahre später – vor 20 Jahren hatten wir ihn alle im Portemonnaie. Komisch war damals, dass das Fünf-Mark-Stück kein Pendant bekam. Aber ansonsten war ja vieles ähnlich. Und doch – die D-Mark geht uns bis heute nicht aus dem Kopf, sagt Irene Geuer in ihrem Mittagskommentar hier auf WDR 4.

Von Irene Geuer

Kommentar: 20 Jahre Euro – und die D-Mark lebt weiter!

WDR 4 Zur Sache 03.01.2022 01:50 Min. Verfügbar bis 03.01.2023 WDR 4 Von Irene Geuer


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Hömma, so fangen Sätze vom Opa an, wenn er etwas gekauft hat. Hömma, das war nicht billig. 64 Euro – das sind 128 Mark. Viele sagen ja, dass der Euro Pi mal Daumen zwei Mark wert ist, war ein Segen fürs Umrechnen. Ich erweitere auf Fluch. Segen und Fluch. Mein Vater ist ja nicht der einzige, der immer noch, 20 Jahre nach Einführung des Euros in die europäischen Portemonnaies, in D-Mark umrechnet.

Opa! So fangen die Sätze meiner Tochter an, wenn der Großvater auf seinem Retro-Tripp ist. Opa! Die D-Mark gibt es nicht mehr. Warum rechnest Du das immer noch so? Und ja, irgendwie ist die Mark das alte, bekannte, das Zahlungsmittel, das das Wirtschaftswunder eingeläutet hat. Das, was die Großelterngeneration viele Jahrzehnte begleitet und nie enttäuscht hat. Dieses Vertrauen muss sich der Euro immer noch erarbeiten, obwohl er schon Krisen gut überstanden hat.

Ich bedaure, dass der Euro nicht sprichwort-tauglich ist. Noch nicht. Vielleicht braucht es noch ein paar hundert Jahre. Wie auch für die D-Mark, die auch kein Sprichwort ziert. Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert, sagen wir heute noch. Mit dem Taler wurde im 19. Jahrhundert bezahlt. In den Sprichwörtern gibt es ja auch noch den Gulden, das Zahlungsmittel aus dem 14. Jahrhundert.

Und wenn wir etwas korrekt zurückzahlen, dann auf Heller und Pfennig. Nicht auf Euro und Cent. Bei manchen fällt beim Thema Geld immer noch der Groschen spät, aber niemals die 10-Cent-Münze. Groschen – auch so ein Wort, das ich meiner Tochter erklären musste, als es der Opa benutzte. Wahrscheinlich werden die nächsten Generationen auch nicht mehr von Kohle sprechen und vom Scheffeln, wenn es ums Geld geht. Wer kennt in Zukunft noch Kohle? Ob es dann noch die D-Mark geben wird? So wie jetzt? Über zwölf Milliarden D-Mark liegen bei uns noch rum. Wenn wir alle zusammenschmeißen, könnten wir ne riesen Sause machen. Ein Mega-Fest! Und ich wüsste auch schon wann…