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Kommentar: Darf die Kanzlerin zur WM?

Angela Merkel auf der Tribüne bei der Fußballweltmeisterschaft 2014

Kommentar: Darf die Kanzlerin zur WM?

Von Irene Geuer

Die Kanzlerin muss hin. Und das nicht nur wegen der schönen Fotos aus der Mannschaftskabine und der Tore unserer Jungs. Wichtiger sind die Torchancen jenseits des Spielfeldes.

Die Chancen für die Diplomatie. Der Sport steht ja nicht abseits von allem weltpolitischen Geschehen. Das haben wir gerade bei den Olympischen Spielen gesehen. Die zarten Bande, die Nord- und Südkorea geknüpft haben. Und das ist kein Einzelfall.

Kommentar: Darf die Kanzlerin zur WM?

WDR 4 Zur Sache | 16.04.2018 | 01:50 Min.

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Mit Tischtennis ist zum Beispiel in den 1970er Jahren Geschichte geschrieben worden. Die USA und China hatten zuvor politische Annäherung versucht, waren aber 20 Jahre lang gescheitert.

1971 dann Weltmeisterschaft in Japan. Die Spieler aus den USA und China freundeten sich an. Und der chinesische Tischtennisverband lud daraufhin die amerikanischen Sportler ein. Das war ein Türöffner.

US-Präsident Richard Nixon besuchte ein Jahr später China. Und damit war der Begriff Ping-Pong-Diplomatie geboren. Die Sportverbände weltweit rühmen sich mit solchen Ereignissen. Aber wir wissen auch, damit allein ist es längst nicht getan.

Wichtig ist, dass sich die hochrangigen Politiker nicht nur von der Stimmung der WM anstecken lassen, sondern sie auch nutzen. Für einen Abend vielleicht mit Pelmeni auf dem Teller, eine russische Spezialität aus gefüllten Nudeln, die aus Sibirien stammt. Sie soll früher die Leibspeise vieler Kutscher gewesen sein auf ihrem Weg durch das kalte Land.

Das würde passen, wie ich finde, auf dem langem Weg der Diplomatie durch kalte Stimmungen. Ein Treffen von Merkel und Putin wird nicht dazu führen, dass der Giftskandal Skripal geklärt oder die Ausweisung von Diplomaten zurückgenommen wird.

Aber es ist die Möglichkeit, sich Standpunkte anzuhören und sich auszutauschen. Heute erst hören wir ja wieder, was Syrien angeht, dass viele Politiker hierzulande darauf drängen, mehr auf Diplomatie zu setzen. Also muss sie hin – die Kanzlerin. Für mich ist das nach derzeitigem Stand der Dinge alternativlos. Und es würde Größe zeigen.

Stand: 16.04.2018, 00:00